#blogfamilia 2018 – Rückblick

Zur Blogfamilia zu gehen war einer meiner guten Vorsätze für 2018. Und ich kann ihn abhaken!
Ich habe es ja nicht so mit fremden Menschen oder Menschenmassen und die Blogfamilia verbindet beides.
Aber Dank der Begleitung von Mama Juja, Mein Glück, der Unangespießten und Frau Papa habe ich dieses Großereignis überstanden.

Das generelle Programm wird schon auf ganz vielen anderen Blogs wieder gegeben, deshalb wird das hier ein sehr privater Eintrag. Mehr Rückblicke gibts gesammelt auf der Blogfamilia Seite.

Ich habe auch tatsächlich neue Menschen kennen gelernt! Also nicht ganz neu, denn ich habe tatsächlich mit keiner einzigen Person gesprochen der ich nicht schon länger auf Twitter/Insta/Blog folge. Aber Menschen mit denen ich noch nie zuvor etwas in diesem „real life“ zu tun hatte.

Ganz besonders dolle habe ich mich dabei über Herrn Pfarrfrau gefreut, der gar nicht mehr Herr Pfarrfrau heißt. Inzwischen bloggt er, immer noch viel zu selten, unter „am Ende denk ich“. Den und seine Familie wollte ich nämlich schon viel länger Mal treffen, es ging sich nur nie aus. Ich möchte das wiederholen, bitte!

Außerdem habe ich die Regenbogenmutti kennen gelernt, die ja mit Frau Papa, mit der ich schon länger befreundet bin, verheiratet ist. Darauf hatte ich ebenfalls schon ne ganze Weile gewartet.

Auch die beiden Autorinnen des gewünschtesten Wunschkindes habe ich getroffen und hoffe, dass sich das wiederholen lässt (vielleicht auch in einer etwas ruhigeren Umgebung).

Mit Jochen König habe ich, über ein Jahr nachdem ich ihn das erste Mal live gesehen habe (beim goldenen Zaunpfahl 2017), auch gesprochen. Yay! Auch ein Mensch den ich super toll finde.

Mein Fanby Herz schlug besonders schnell, als ich am Nachmittag im Workshop von der Juramama saß. Die ist nämlich sehr witzig, charmant und wortgewandt. Ich liebe ihre Blogposts und habe auch ihr Buch gern gelesen.

Sie sprach über unseren digitalen Nachlass und was wir für den Fall unseres Todes vielleicht vorher geregelt haben sollten. Tja was soll ich sagen: meine To-do-Liste ist gewachsen. Um einiges. Ich finde für den Todesfall vorsorgen ja sehr wichtig und es ist erstaunlich wie viel wir da digital hinterlassen, das alles irgendwie auch geregelt werden muss. Ein bisschen detaillierter berichten die Regenbogenmutti und Mein Glück.

Da waren noch ganz viele andere Menschen über die ich mich wirklich, wirklich sehr gefreut habe, mit vielen habe ich kurz geredet, mit den meisten zu wenig, aber toll war das schon.
Jetzt habe ich aber erstmal ne Weile die Schnauze voll von Menschen.

Trotzdem bleibt mein Wunsch mal in deutlich kleinerem Rahmen mit ein paar Berliner Blogger*innen hier eine kleine Gartenparty o.ä. zu machen. Aber eher so mit 4-5 anderen, was dann ja, plus Kinder, schon wieder ein ganzer Haufen Menschen ist.

Aprospro Kinder! Die waren ganz großartig, also alle Kinder die da waren. Mit Kindern komme ich ja immer gut klar, die überreizen mich auch höchstens wegen Lautstärke. Da liefen so viele tolle Kinder durch die Gegend, die zusammen gespielt und getobt haben, das war sehr wunderbar. Alu hatte im Schlusswort auch gesagt, dass sie als Veranstalter*innen das so wollen und was soll ich sagen: als besuchende Person will ich das auch! Und habe mir vorgenommen im nächsten Jahr den Rest der Familie mit einzupacken.

Ich habe aber auch Wünsche für das nächste Mal!

Die ganze Veranstaltung war sehr, sehr weiß. Ich hoffe, dass es nächste Mal mindestens eine*n Speaker*in of Color und eine*n Schwarze Speaker*in gibt. SchwarzRund wäre ein Vorschlag.
Rassismus fängt ja leider schon im Kinderzimmer an: Kinderbücher in denen nur weiße Menschen dargestellt sind, sind zB die Regel, die Kinderbücher die mehr Vielfalt darstellen müssen schon eher gezielt ausgesucht werden (für Kindergartenkinder zB Nelly und die Berlinchen und mein Lieblingskinderbuch für Kleine: „Ich mag…“).
Schwarze Kinder und Kinder of Color sind in Deutschland täglich mit Rassismus konfrontiert.

Wo kann das besser thematisiert werden als auf einem Treffen von häufig auch politisch engagierten Familienblogger*innen?

Dann natürlich ein Punkt der mich selbst betrifft: Das Mit-Denken von trans und inter Menschen, das Achten auf neutrale Sprache, das Mit-Denken queerer Familien. Die Hetero-Kernfamilie Mama, Papa & Kind(er) haben breite Sichtbarkeit, Alleinerziehende (überwiegend Mütter) waren auch vertreten.
Es war sehr viel von Müttern die Rede, oft von Eltern und manchmal von Vätern. Aber an vielen Stellen war halt zu merken, dass Mütter gleichsetzt werden mit gebärender Person und Väter mit dem Sperma was dazu geliefert wurde.
Aber Familie ist sooo, so viel mehr und das trifft nicht nur trans und inter Menschen, sondern auch Regenbogenfamilien und Pflegefamilien oder Familienformen die überhaupt nicht auf Ein-bis-zwei-Elter*n plus Kind basieren.
Nicht alle Mütter haben geboren, nicht alle Väter besamt, nicht immer ist der Uterus in dem ein Kind gewachsen ist im gleichen Körper aus dem auch die Eizelle stammt,…

Familie ist Vielfalt und ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen um das auch deutlich zu betonen. Das würde zB auch eine Überarbeitung des Logos bedeuten (das den Kopf einer Person mit eher maskulin zugeordneter Frisur, einer mit eher femininer Frisur, beide weiß – einmal blond, einmal rothaarig und einen kleine, eher kindlichen Kopf zeigt der schwarzes Haar hat und nicht weiß sondern eher ein Kind of Color ist).

Vielleicht denkt ihr: „betrifft mich nicht“, vielleicht denkt ihr „naja, aber die meisten sind halt dyadisch (nicht inter), cis (nicht trans) und hetero (nicht homo oder plurisexuell). Vielleicht trifft das auf eure Kinder aber nicht zu. Oder auf befreundete Personen, die sich vielleicht noch nicht geoutet haben. Weil outen eben auch anstrengend ist und viel leichter geht, wenn Gewissheit besteht, dass das nicht mit einem „Wir sind doch letzten Endes alle nur Menschen“ abgetan wird.

Dann war da noch der Ableismus. Ich weiß nicht wie barrierefrei der Veranstaltungsort war, das kann ich schlecht beurteilen. Der Wickel- und Stillbereich war auf jeden Fall nur für Menschen zugänglich, die Treppe steigen können. (Korrektur: Offenbar gab es einen zweiten, zugänglichen Wickelbereich den ich nicht gefunden hatte)

Aber eine Tasche (vom Bundesfamilienministerium), auf der „Familie ist der ganz normale Wahnsinn“ steht und die alle Besuchenden bekommen, ist halt Mist. In Zeiten in denen über das #Psychiatriegesetz diskutiert wird, brauchen wir echt nicht noch mehr Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Wenn Familie der normale Wahnsinn ist, was ist dann der unnormale?

Für alle „das wird aber halt so gesagt!“ Stimmen empfehle ich den „Warum Nazis nicht dumm sind“ Post, den ich zu sowas immer empfehle. Der erklärt dann auch gleich, warum mir jedes „dumm/doof/idiotisch“ in Vorträgen aufstieß. Dass das schwer aus dem alltäglichen Sprachgebrauch raus zu kriegen ist, weiß ich. Aber darauf achten und Alternativen suchen, das ist wichtig.

Wir sind Blogger*innen. Worte sind für einige von uns sogar das täglich Brot.
Mit Worten tun wir Dinge. Und allzu häufig ist, was wir tun: zu diskriminieren.

Es wurde oft der Satz: „Das Private ist politisch“ in den Raum geworfen. Das trifft auch die Sprachnutzung und die Frage wem solche Räume wie das Blogger*innentreffen zugänglich gemacht werden. Großartig ist hierbei, dass auch finanziell schlecht gestellte Menschen zum Beispiel Reisekostenzuschuss beantragen können. Aber auch andere marginalisierte Gruppen gehören zur Familienblogger*innen Szene und bei Fotos und Berichten von der Veranstaltung fühlen sich vermutlich nicht alle so, als wäre das ein Raum für sie.

Ein Treffen deutschsprachiger Familienblogs ist ein wichtiger Repräsentationsraum und sollte auch entsprechend Repräsentation bieten. Das gilt auch für die Jurybesetzung für den Blogfamilia-Award: mir fällt keine freundliche Formulierung der Kritik für die Wahl des zweiten Platzes ein. Ich schätze das Engagement der Bloggerin mag sehr positiv gedacht gewesen sein, aber, und damit wären wir wieder bei Punkt eins: Rassismus. Arme Schwarze Kinder als Anlass für die eigene Dankbarkeit, Lebenseinsicht usw zu nutzen ist – nicht okay. Weiße retten Schwarze ist ein ganz heikles Thema. Aber da ich weiß bin verlinke ich lieber den Text „The white tourist’s burden“ von Rafia Zakaria. Viele andere Menschen of Color und Schwarze Menschen haben ebenfalls darüber geschrieben, lest es!

Es löst in mir grundsätzlich immer Unbehagen aus, wenn mir Menschen erzählen wie sie beim Anblick anderer Menschen sich ihres eigenen Glücks nicht „so zu sein“ bewusst werden.

Es kam der Wunsch auf, radikal zu werden. Unbequem zu werden.
Das darf aber nicht im eigenen Wohlfühlbereich enden.

Teilt doch mal bewusst mehr Beiträge von Familienblogger*innen, die nicht weiß sind. Die nicht cis sind. Die nicht hetero sind. Die keinen dyadischen Körper haben. Die neurodivergent sind. Die behindert sind. Teilt nicht nur die verständnisvollen, leisen Beiträge, sondern die lauten und wütenden. Die unbequemen. Die, bei denen ihr nach dem Lesen vielleicht erstmal selbst in eine „aber ich bin doch nicht rassistisch/ableististisch/transfeindlich/…“ Haltung gegangen seid. Und wenn ihr solche Beiträge nicht findet, dann überlegt woran das liegt. Und erweitert eure Filterblasen.

Frau Papa kritisierte neulich auf Twitter schon die schlechte Sichtbarkeit queerer Familienblogs. Und das ist eine Aufgabe derer ich mich gerne annehme: mehr queere Familienblogs mit queeren Themen finden.

Deshalb gibt’s hier künftig die Kategorie #queergebloggt. Ich möchte gerne queere Familienblogs dort sammeln, sie vorstellen und verlinken.
Ich bin ganz scheiße mit regelmäßigen Sachen, aber ich versuche, das künftig statt #12von12 zu machen, denn irgendwie bin ich mit dem Tagebuch bloggen nie so ganz warm geworden. Empfehlungen dürft ihr mir gerne in die Kommentare hauen oder via Twitter, Facebook oder Instagram zustecken. Gerne auch eure eigenen Blogs!

Was es hier künftig nicht mehr gibt ist ein Blogroll in dem zum drölfzigtausendsten Mal „geborgen Wachsen“ und Co empfohlen werden. Sind tolle Blogs, aber die haben genug Reichweite und werden sie nicht verlieren wenn ich sie von meiner Blogroll nehme.

Zu guter Letzt natürlich ein ganz großes Dankeschön für die großartige Organisation! Das war ein tolles Event, das ihr da auf die Beine gestellt habt! Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte & hoffentlich bis nächstes Jahr!

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

4 Kommentare zu „#blogfamilia 2018 – Rückblick“

  1. Hmmm… keine Ahnung, ob mein Blog queer genug ist für die Reihe und ob nicht was anderes dagegen spricht (z.B. Unlesbarkeit ^_^;). „Queer“ ist nicht das Hauptthema, kommt aber vereinzelt vor.

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