Offener Brief an die Barmer NRW & Krankenkassen im Allgemeinen

Hallo Barmer & ein Hallo auch an alle anderen Krankenkassen.

Anfang des Jahres hat Dänemark etwas Cooles gemacht. Sie haben Transsexualität von der Liste psychischer Erkrankungen entfernt. Das war nur ein symbolischer Schritt, aber einer in die richtige Richtung.

Denn die Transsexualität ist NICHT die Erkrankung.

Transsexualität kann zu vielen Problemen führen. Sie kann psychische Erkrankungen befördern und verstärken, aber sie ist keine Erkrankung.

Ich habe eine Freundin. Diese Freundin hat einen Penis und starke Körperbehaarung. Beides belastet sie sehr, denn das sind körperliche Merkmale, die üblicherweise Männern zugeschrieben werden. Sie ist aber kein Mann.

Diese Freundin sitzt gerade an einem Antrag an Euch. Sie braucht Eure Unterstützung, damit die Kosten für eine Haarentfernung übernommen werden. Nicht nur macht es ihre Körperbehaarung ihr schwer, als die Frau wahrgenommen zu werden, die sie ist. Es kommt noch dazu, dass sie unter Neurodermitis leidet und das ständige Rasieren diese verstärkt. Aber das steht auch alles in den Anträgen, damit will ich euch nicht langweilen.

Diese Freundin braucht therapeutische Unterstützung. Immer und immer wieder. Weil sie NICHT die Unterstützung bekommt die sie eigentlich braucht. Nämlich die unkomplizierte Kostenübernahme von Operationen und Behandlungen, die den psychisch stark belastenden und änderbaren Zustand ihres Körpers verbessern.

Diese Freundin muss sich andauernd von anderen Menschen bewerten und beurteilen lassen, nur damit sie eine CHANCE darauf hat, dass ihr ihr das genehmigt was sie auf einen Schlag von vielen Belastungen befreien würde. Wahrscheinlich ist es nicht. Das ist grausam.

Warum ist das notwendig? Glaubt ihr allen Ernstes jemand würde spaßeshalber einen Weg einschlagen auf dem ihm oder ihr ein Geschlechtsteil und sekundäre Geschlechtsmerkmale entfernt werden? „Ach, mir ist heute so langweilig, was mach ich denn? Penis ab! Haha, voll ulkige Idee!“

Wenn ein Mensch in eine Arztpraxis kommt und sagt „Ich bin eine Frau. Ich habe einen Bart und das belastet mich sehr. Ich leide jeden Morgen, wenn ich ihn rasieren muss. Es geht mir scheiße, wenn ich die Stoppel zu überschminken versuche und mir das nicht gelingt. Ich habe Haare auf den Brüsten und auch an anderen Stellen des Körpers übermäßigen Haarwuchs.“ Dann sollte di*er Ärzt*in einfach nur sagen: „In Ordnung, ich sehe ihren Haarwuchs und die daraus resultierende Belastung. Hier sind Adressen, machen Sie einen Termin zur Haarentfernung. Das ist eine Kassenleistung.“

Leider sieht die Realität ganz anders aus. Dabei sollte die Gesundheit ihrer Patient*innen Ihnen als Krankenkasse das allerhöchste Anliegen sein.

Ich kann mir schon denken, dass es viele Vorschriften, Richtlinien und ähnliches gibt, die Sie beachten müssen. Aber einiges davon kann mit Sicherheit einfach weg. Anderes überarbeitet werden. Und jetzt wäre ein echt guter Zeitpunkt um damit anzufangen.

Weil alle Versicherten davon profitieren, wenn der Weg gewählt wird, der am schnellsten Gesundheit verspricht.

Und weil manchmal die richtige Therapie für eine Depression eine Haarentfernung ist.

Mit freundlichem Gruß,

ein*e Freund*in von Nina


Ihr dürft diesen Brief (inklusive Bild) gern teilen, kopieren, verbreiten, wenn Nina und andere Menschen die mit derartigen Hürden zu kämpfen haben, euch am Herzen liegen. Danke.

Wenn ihr eure Unterstützung durch das Teilen oder durch andere Worte und Bilder zum Ausdruck bringt, nutzt doch den Hashtag #eb4Nina, so finden wir uns gegenseitig leichter und können das verbreiten. Der Tag ist angelehnt an #eb2gether & steht damit in der Tradition von Zusammenhalt unter Elternblogger*innen. Aber falls ihr keine Blogger*innen seid, dürft ihr #eb4Nina trotzdem gern nutzen.

Ihr könnt die Barmer (oder andere Krankenkassen) auf Facebook erreichen: https://www.facebook.com/meinebarmer/

Oder auf diversen anderen Kanälen: https://www.barmer.de/service

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

8 Kommentare zu „Offener Brief an die Barmer NRW & Krankenkassen im Allgemeinen“

  1. Wie schön geschrieben, ist sie nicht Krank! Krankenkassen sind für Kranke Menschen da! Es gibt sehr viele Frauen die eine starke Körperbehaarung haben und die Entfernung selber zahlen. Ich habe zuwenig Kopfhaare, wenn ich welche haben möcht muss ich das auch selbst bezahlen! Bin da auch nicht glücklich drüber.

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    1. Hallo,
      doch sie ist krank. Nur ist nicht die Transsexualität die Krankheit. Sondern die Depression. Die wird durch die Haare verstärkt. Es gibt einen Unterschied zwischen „Nicht glücklich darüber“ und „depressiv deswegen“. Ich bin grundsätzlich dafür, dass Dinge die sich leichterdings ändern lassen geändert werden, wenn diese Krankheiten verstärken. Ganz egal bei wem.

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    2. Genaugenommen hat es eigentlich auch schon Fälle gegeben, in denen kosmetische OPs aufgrund des hohen Leidensdrucks übernommen wurden glaube ich. Aber das ist auch unwichtig in diesem Fall.
      Weil es einen Unterschied gibt zwischen Transsexualität und einem einfachen Merkmal das man an sich nicht mag. Es gibt einen Unterschied zwischen „etwas an meinem Körper gefällt mir nicht“ und „Mein gesamter Körper ist falsch“. Ersteres löst Unsicherheit aus, Frust, ja, manchmal vielleicht auch schon eine Erkrankung. Letzteres macht unbehandelt fast zu 100% krank – und mehr noch, dieses Gefühl dass der Körper nicht passt, nicht richtig ist, verschwindet nicht. Ich kann lernen meinen etwas zu runden Bauch zu akzeptieren – oder etwas daran ändern wenn er mich stört -, eine Transfrau kann das bei ihrem Penis und ihrer eher männlichen Körperbehaarung nicht – damit ohne Leidensdruck leben gar nicht, ändern nicht ohne Hilfe. Sie kann noch so viele Therapien machen und noch so oft das „liebe dich selbst“-Mantra zu hören bekommen, was männlich – oder bei einem Tansmann weiblich – ist, bleibt „falsch“ und sorgt für Leidensdruck, welcher auf Dauer krank macht und nachweislich deutlich reduziert wird wenn man diese Dinge ändert. Das macht trans Menschen früher gesund oder verhindert sogar die Krankheit, und es reduziert für die Krankenkassen und die Versicherten Kosten, die sonst für jahrelange Therapien gebraucht werden würden.

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