Koffeln, keine Maten und Papalinge

Der Sartograph berichtet über den Spracherwerb vom Schnurpsel.

Advertisements

Vom Einkaufen, vom Sprechen und ein Rezept.

Unser Schnurpsel geht gerne Einkaufen. Derzeit ist es auch der Ansicht, dass sich alles Kaufen lässt. Das geht sogar soweit, dass es nach einer Debatte übers Zähne putzen meinte, wenn die Zähne kaputt gehen, dann kaufen wir einfach neue bei Netto. Wir haben dann direkt erklärt, dass sich Zähne dort nicht kaufen lassen. Das Kind überlegte kurz, zog dann eine Augenbraue hoch und fragte: „Lidl?“ Ja, unser Kind ist wohl definitiv im Kapitalismus angekommen.

Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, fragt Schnurpsel fast immer nach, ob ich eingekauft habe. Und räumt dann begeistert die Taschen aus und bringt die Inhalte in die Küche.

Am Wochenende nehme ich das Schnurpsel daher auch gerne mit. Oft ist der Sportwagen dabei – allerdings hauptsächlich für die Einkäufe, da Schnurpsel gerne selbst läuft und im Supermarkt meistens im Einkaufswagen sitzt.

Mittlerweile bin ich auch sehr geübt darin, den Lastwagen-Konvoi aus Buggy und Einkaufswagen an rücksichtslos abgestellten Warenpaletten vorbei zu rangieren. Und wenn ich an der Kasse stehe – das schlafende Schnurpsel im Buggy, Krümelchen im Tragetuch und den Einkaufswagen hinter mir her ziehend – und die Kassiererin mir mit den Worten „Wow, ein richtiger Super-Papa“ freundlich zunickt, dann bin ich auch ein klein wenig stolz. Zumindest ganz kurz, bis ich mich frage, ob sie das auch gesagt hätte, wenn ich die Mama wäre.

Kürzlich hatte ich meine erste etwas herausforderndere Situation. Wir hatten gerade gemeinsam ein schönes Netz mit „die Koffeln“ (Schnurpsels Leibspeise) ausgesucht und wollten weiter zu den Backwaren, als ein energisches „Nein die Maten!“ aus dem Einkaufswagen kam. Also schnell zu den Tomaten und ein paar schmackhaft aussehende dem Kind in die Hand gedrückt, damit es sie in den Wagen legen kann.

K: Nein die falsch.

Tomaten ausgetauscht.

K: Nein, keine Maten!

Du möchtest keine Tomaten?

K: Ja.

Gegenprobe: Möchtest Du die Tomaten hier haben?

K: Nein!

Tomaten weggelegt, Wagen losgeschoben.

K: NEIN! Die Maten!! (Fast schreiend)

Möchtest Du doch Tomaten?

K: (weinerlich erleichtert) Jaa!

Die hier?

K: Nein.

Dann die hier?

K: Nein.

Also doch keine Tomaten?

K: Ja.

Dann gehen wir weiter?

K: Nein doch! DIE KEINE MATEN! (Unter Tränen)

Einen kurzen Moment war ich am Verzweifeln. Und dann sah ich sie, auf der anderen Seite bei den Aktionsangeboten. Kleine Tomaten, die für mein Kind gerade die Welt bedeuten. Freudiges „Jaaaahahaaa“, als ich darauf zusteuere. Kurz darauf hat Schnurpsel einen Becher mit kleinen Tomaten in der Hand und ist den Rest des Einkaufs damit beschäftigt, seine Farbkenntnis unter Beweis zu stellen („Die rooote, und da noch eine rote, und da die annere rote“).


Spracherwerb ist spannend. Das ist Wahnsinn, was die Kinder einfach so durchs Zuhören lernen. Und ich freue mich immer wieder, wenn Schnurpsel ein neues Wort „entdeckt“ oder eine weitere Hürde meistert. Es gibt schließlich ziemlich viele komplizierte Konsonanten-Kombinationen.

Manchmal bin ich aber auch traurig, wenn ein Wort, mit dem ich viele Erinnerungen verbinde, plötzlich richtig (oder anders) ausgesprochen wird. Eines dieser Worte ist Bilalil. Das war Schnurpsels Wort für Schmetterling, und auch eins seiner ersten Worte überhaupt. Wie es dazu kam wissen wir selber nicht genau, da die Klangverwandtschaft nicht wirklich gegeben ist. Ich glaube, dass es von Libelle kommt und dann für Schmetterlinge übernommen worden ist. Jetzt ist Bilalil Vergangenheit. Allerdings ist der neue Begriff dafür nun Papaling. Das ist ja auch sehr niedlich :)

Meine Favoriten-Wörter als jemand, der sowohl Essen als auch seinen Beruf liebt, sind folgende:

Daufu – Löffel

Tikau – Kakao

Menarine – Mandarine

Himmelade – Himbeer-Marmelade

Papatschino – Cappuccino

Tüter – Computer

Tabbel – Tablet

Mik & Vidu – Musik & Video


Um wieder an die Anfangsgeschichte anzuknüpfen: Was passiert jetzt eigentlich mit den gekauften Koffeln und Maten? Am besten etwas, das beim Kind beliebt ist und nicht zuviel Arbeit macht. Und wenn das Kind dabei sogar mitmachen kann, dann ist das Kochen eine wunderbare Familienaktion.

Rezept: Country Potatoes mit Bouletten und Knabber-Gemüse

Country Potatoes

Wieviele Kartoffeln ihr bei euch esst, wisst ihr selber sicher am Besten. Wir kommen bei zwei hungrigen Erwachsenen und einem Kleinkind, das Kartoffeln liebt, mit ca. 1 kg gut hin.

Die ungeschälten (wir wollen wenig Arbeit, außerdem sollen es ja Country Potatoes werden) Kartoffeln gut abwaschen, anschließend abtrocknen und dann in Spalten schneiden. Am besten einfach der Länge nach vierteln. Bei großen Kartoffeln nochmal quer halbieren, um die Spalten zu kürzen.

In einer hinreichend großen Schüssel 4 EL Öl mit  je 1 1/2 TL Salz, Pfeffer und Paprikapulver edelsüß (oder Cayennepfeffer) vermischen.

Die Kartoffelspalten in die Schüssel geben und gut vermengen, so dass die Kartoffeln rundum benetzt sind.

Die Kartoffeln auf einem Backblech (mit Backpapier) verteilen und im vorgeheizten Backofen bei 180° Umluft (200° Ober-/Unterhitze) ca. 45 Minuten backen. Gelegentlich wenden.

Bouletten

Auch hier könnt ihr die Menge selber an euren Haushalt anpassen. Ich nehme üblicherweise gemischtes Hackfleisch und bevorzuge rote Zwiebeln.

  • 500g Hackfleisch
  • 1 Ei
  • 1 Zwiebel
  • Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Senf

Die Zwiebel klein hacken und dann alle Zutaten in einer Schüssel gründlich verkneten. Ich würze dabei nach Gefühl, aber mit je 1-2 TL wird sicher ein brauchbarer Geschmack rauskommen. Optional können noch etwas Paniermehl oder Semmelbrösel dazugegeben werden, wenn die Masse zu feucht ist.

Die Masse portionieren  (ich mag lieber mehr kleine als weniger große Bouletten) und jeweils zu einer Kugel formen. (Wer die Bouletten mit etwas Panade mag, sollte sie jetzt in etwas Paniermehl zu wälzen.) Dann mit einem Pfannenwender etwas platt drücken.

In der Pfanne mit genug Öl anbraten, bis das Fleisch durch ist und beide Seiten eine knusprige Farbe haben.

Knabber-Gemüse

Tomaten, grüne Gurke, Paprika… Hier ist alles erlaubt, was passend erscheint und gemocht wird.

Dazu (und auch zu den Kartoffeln) passt Kräuterquark.

Unser Kind hat diesmal allerdings nicht mitgeholfen, sondern in seiner eigenen Küche gekocht. Dort gab es „Lila Suppe“ aus dem Küchensieb, im Ofen überbacken. Schnurpsel hat anschließend sehr vorbildlich alles unter den Wasserhahn gehalten.

Nun denn, „Ate ist fati“, um es mit Schnurpsels Worten zu sagen.

Mich interessieren aber auch eure Worte bzw. die eures Nachwuchses. Schreibt eure Lieblinge aus der Sprachentwicklung gerne in die Kommentare!

4 Kommentare zu „Koffeln, keine Maten und Papalinge“

  1. Also im Sinne von: Es hat vermutlich Vorstufen gegeben, aber wir haben sie eben nicht erkannt und die Äußerungen erst erkannt, als sie so nah an der Norm dran waren, dass wir sie ohne weiteren Kontext erkennen konnten. Naja, Entschuldigung.

    Gefällt mir

  2. Sprachentwicklung rockt! Ich bin auch immer ganz fasziniert.
    Schöne Wörter habe ich gerade nicht beizusteuern, dafür ist das bei uns schon zu lange her und an richtige „Highlight-Wörter“ kann ich mich auch nicht erinnern. Vermutlich habe ich kind erst verstanden, als es deutlich genug sprach und mir dadurch schönes entgehen lassen.
    Für mich klingt Bilalil aber schon sehr nach Schmetterling – Schmitterling – Schmittaling. Dann hat man schon die Vokale richtig. B und M werden fast gleich gebildet: Lippen aufeinander legen. Sch ist eh schwer und dann noch im Cluster – wegrationalisiert. Bittaling. T ist vielleicht n bissl weit weg für die Zunge, besonders, wenn danach gleich so ein L kommt – da kann das L schon mal quasi antizipatorisch das T ersetzen. Bilaling. Das gleiche nochmal nach hinten, L hat halt Gravität: Bilalil.
    Kartoffelspalten (kein Schälen!) gibt es bei uns auch oft. Wir machen gerne noch Mehl oder Semmelbrösel an die Mischung für etwas Kruste.

    Gefällt 1 Person

    1. Hmm… jetzt habe ich noch eine alte Aufzeichnung gefunden und die am weitesten entfernte Äußerung zum jeweiligen Begriff war tatsächlich /zaza/ für Wasser. Alles andere auf der Liste ist fast 1:1 Normsprache. Jetzt grübele ich natürlich, ob es wieder an meinem Unverständnis und den Einschränkungen meines Kindes gelegen haben mag, dass es sich eben nur verbal und nicht durch Zeigen und Gesten abstrakt verständlich machen kann.

      Woran habt Ihr denn erkannt, welche Äußerung für welchen Begriff steht? Ich habe bei den Aufzeichnungen gefunden, und erinnere mich auch noch daran, dass mein Kind zu dem Zeitpunkt dann auch eine gezielte Nachfragestrategie hatte: Es berührte patschend ein bekanntes Objekt (Körperteil) und sagte das Wort und patschte dann auf das unbekannte Objekt, damit ich das passende Wort sage.

      Gefällt mir

Dein Senf dazu:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s