Eure Kinder sind nicht hetero

…und cis sind sie auch nicht

Ein Rant über heteronormative Erziehung im „angeborenen“ Geschlecht.

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„So ein kleiner Charmeur, dem werden aber die Mädels in Scharen hinterherlaufen.“

„Na, vielleicht ja auch die Jungs“, sage ich und nehme noch einen Schluck Kaffee. Entsetzen in den Augen, aber nur kurz. „Ja, ja… das wäre natürlich auch in Ordnung.“ beeilst du dich zu sagen und sorgenvoll streift dein Blick über dieses Kind, das du geboren hast.

Im Ernst: Ich kann es nicht mehr haben. Diese Pseudotoleranz. Dieses „es ist okay, wenn ANDERE so sind“. Eure Kinder sind potentiell auch „so“.

Eure Kinder sind homo-, bi(+)- und asexuell. Sie sind polyamurös. Sie sind trans, sie sind nonbinary. Und so vieles mehr.

Das sagt euch alles nichts? Googelt. Und nehmt die verdammten Scheuklappen ab.

Ihr habt nicht die Definitionsmacht über eure Kinder. Und wenn ihr sie euch aneignet, dann ist es genau das: eine Aneignung von Macht.

Indem ihr von künftigen Schwiegerkindern des „anderen“ Geschlechts träumt.
Indem ihr Zuschreibungen macht auf Grund des Genitals mit dem eure Kinder zur Welt kamen.
Indem ihr euch wünscht euer Kind möge mit einem bestimmten Genital auf die Welt kommen, weil ihr mit diesem Genital bestimmte Dinge verbindet.
Indem ihr kleinen Menschen mit Penis nicht die gleiche Kleidung anzieht wie kleinen Menschen mit Vulva, einzig und allein weil sie einen Penis haben.

Ihr steht auf Glitzerkleider mit Rüschen und Schmetterlingen und Schleifchen? Dann zieht sie euren Kindern an! Auch denen mit Penis. Der fällt davon nicht ab. #füreuchgetestet

Ihr wollt lieber Monstertrucks-Pullover und Gummistiefel über Breitcordhose mit Kniebesatz? Dann zieht sie euren Kindern an! Auch denen mit Vulva. Da wächst kein Penis. #ebenfallsfüreuchgetestet


Ich glaube ich muss an dieser Stelle mal kurz etwas ausholen. Ich bin Feministin. Es gibt unterschiedliche Arten von Feminismus. Ich gehöre zu den Feminist*innen die alles was im Allgemeinen so als „Geschlecht“ bezeichnet wird für soziale Konstrukte halten. Konstrukte die es nicht wert sind erhalten zu werden. Konstrukte die Machtstrukturen befördern die einfach nur scheiße sind. Und die nebenbei bemerkt auch an jeder wissenschaftlichen Realität vorbeigehen. Es gibt nämlich gar nicht nur zwei Geschlechter.

Ihr wollt mehr wissen? Dann wendet euch an das akademisch nicht zitationswürdige Wissensportal eures Vertrauens und tippt „Feminismus“ ein. Ist gar nicht so schwer und hat übrigens auch nicht nur mit Frauen zu tun, sondern eben mit den Geschlechtskategorien und ihrer Wirkung auf unsere Gesellschaft.

Oder ihr guckt mal eben dieses coole (englische) Einführungsvideo in Butlers Gendertheorie.

Ich weiß auch, dass nicht alle diese Ansicht teilen. Ich finde das auch nicht schlimm, ihr könnt gerne eine andere feministische Position einnehmen als ich. Wir können auch gern darüber diskutieren. Bei guten Argumenten passe ich meine Ansichten sogar gern an. Das mache ich andauernd. Ich habe sicher nicht semesterlang Philosophie studiert um jetzt panisch vor guten Argumenten wegzulaufen. So Exkurs Ende.


Aber der Kindergarten. Aber die Schule. Aber die Gesellschaft.

Die Angst vor Hänseleien, vor Mobbing, vor Übergriffen ist groß. Leider ist sie scheinbar so groß, dass die meisten Kinder bereits von den Eltern in Schablonen gepresst werden, mit denen die Gesellschaft dann noch ein bisschen weiter formt. Am Ende hat das Kind entweder halbwegs in die Schablone gepasst, oder es muss sich „outen“, ein unglückliches Leben führen, oder es bringt sich um (ja, die Depressions- & Suizidrate unter nicht-hetero und nicht-cis Teenagern ist deutlich erhöht).

Aber wenn ihr eurem Kind mit Penis keine Kleider anzieht weil „es ein Junge ist“, dann definiert ihr dieses Kind. Das ist nicht was/wer euer Kind ist, sondern wie ihr es definiert. Und in diesem Rahmen wächst euer Kind dann. Will es anders wachsen, weil es anders ist, muss es den von euch gesteckten und von der Gesellschaft verfestigten Rahmen sprengen. Das ist ein anstrengender Akt.

Im Grunde ist die Abwägung also potentielles Mobbing oder potentielles „outen“ müssen. Wobei ich euch versichern kann, dass Kinder die sich outen müssen sowieso mit hoher Wahrscheinlichkeit gemobbt werden #schonwiederfüreuchgetestet.
Ein Kind das ein bisschen aus der Reihe tanzt wird hingegen nicht mit ganz so hoher Wahrscheinlichkeit gemobbt, manchmal werden diese Kinder auch zu den ‚cool kids‘ oder einfach nur zu denen die weder ganz oben in der Coolness-Hackordnung stehen, noch ganz unten. Denn bei Mobbing spielen ganz, ganz viele Faktoren eine Rolle.

Gebt den Kindern alle Möglichkeiten. Ihr wollt eurem Kind mit Penis kein Kleid anziehen? Wenn ihr es einem Kind mit Vulva anziehen würdet, dann beschneidet ihr das Kind mit Penis in seinen Möglichkeiten. Das könnt ihr natürlich machen. Aber dann erzählt nicht, ihr würdet dem Kind alle Möglichkeiten geben.

„Wenn mein Junge sich das wünscht, dann darf er natürlich ein Kleid anziehen!“ sagst du, legst den Kopf schief und schaust beleidigt, schließlich bist du ja tolerant.

„Aber: wenn du ihn nur in der ‚Jungen‘-Abteilung einkleidest, dann wird er eher nicht so schnell darüber stolpern, dass er Kleider schön findet.“ Erwidere ich.

„Na, man muss das ja nicht so forcieren!“ entgegnest du und schüttelst den Kopf ein wenig.

Ich persönlich finde es ja sehr interessant, dass von forcieren, aufzwingen und anerziehen irgendwie sehr selten die Rede ist, wenn darüber gesprochen wird die Kinder als hetero und cis zu behandeln, nur, weil sie mit Penis oder Vulva geboren worden sind.

Mir wird häufig vorgeworfen ich würde „es“ übertreiben mit der „Genderagenda“ und unseren Kindern Schaden zufügen. Weil ich beiden Kindern die gleichen Klamotten anziehe (ja, auch rosa und Kleider). Weil beide mit dem gleichen Spielzeug spielen. Weil ich darauf achte dem Kind mit Vulna nicht ständig „Sei vorsichtig!“ und dem Kind mit Penis „Du schaffst das!“ zuzurufen, sondern beide Kinder gleichermaßen zu ermutigen und zur Vorsicht anzuhalten, wenn es wichtig ist (Verbrennungsgefahr, Straßen & die allseits beliebte „Dein Hinterkopf knallt gleich mit Schwung auf eine harte Kante!“ Situation). Weil ich beim Vorlesen gerne mal die Geschlechter der Figuren anpasse, damit auch mal eine mutige Feuerwehrfrau Großartiges leistet oder ein Mann heftig weint, weil er traurig ist. Weil ich den Kindern nicht sage „Jungs haben einen Penis und Mädchen eine Vulvina“ sondern „Es gibt Menschen mit Penis und Menschen mit Vulvina.“.

Unser älteres Kind (2,5 Jahre) sucht sich die Klamotten inzwischen überwiegend selbst aus. Es liebt Glitzer, Schmetterlinge, grün, orange, dunkelblau, Bagger, Autos und Drachen. Sollte es eine rosa-Prinzessinnen-Phase haben ist das okay (und der Papa freut sich, der steht auf rosa, Glitzer und Einhörner. Ich nicht so.). Sollte es eine Superheld*innen-Phase haben ist das okay (auch wenn weder der Papa noch ich uns für Superheld*innen sonderlich interessieren. Sollte es anfangen nur noch schwarz zu tragen mit bunten Socken dazu ist das okay (und ich freue mich über mini-me auch wenn der Papa vielleicht lieber etwas buntere Klamotten sähe).

Es gibt nur wenig Kleidung die ich verbieten würde (sexualisierende Kleidung und fast alle Schuhe aus der „Mädchenabteilung“, die haben nämlich oft kein anständiges Profil. Guckt selbst nach.), mit Sicherheit wäre ich aber diskussionsbereit dem Kind gegenüber.

Versteht mich nicht falsch: Wenn ihr eure Kinder mit Vulva als Mädchen definieren und sie in rosa Glitzerklamotten stecken wollt: tut das! Wenn ihr eure Kinder mit Penis als Jungen definieren wollt und sie von klein an in Fußballtrikots kleiden möchtet: tut das!

Aber erzählt dann nicht, ihr wärt supertolerant und würdet euren Kindern alle Möglichkeiten lassen und die #rosahellblau Falle wäre ja wirklich doof.

Denn indem ihr eure Kinder im binären System einordnet, indem ihr ihnen von Anfang an eine (so nicht vorhandene) Zwei-Geschlechter-eine-Sexualität-Welt vorlebt, prägt ihr sie. Indem ihr unterteilt in Jungssachen und Mädchensachen. In Spiele die Jungen mögen und Spiele die Mädchen mögen. Indem ihr betont, euer Mädchen sei ja AUCH technikbegeistert, es aber bei Jungen voraussetzt.

Gibt es angeborene Unterschiede (die über die körperlichen Merkmale hinaus gehen) zwischen Menschen die als männlich und Menschen die als weiblich definiert werden? Möglich. Aber ich zweifle daran. Ich gehe davon aus, dass der größte Teil der Unterschiede erworben und anerzogen ist. Interessant ist dazu zum Beispiel dieser Artikel bei Spektrum. Und es gibt ja, wie weiter oben schon erwähnt, Menschen die sich von Geburt an nicht so einfach definieren lassen (und trotzdem oft definiert und bis heute operiert werden).

Was ihr euren Kindern als normal vorlebt, werden sie als normal wahrnehmen. Euer Einfluss lässt mit wachsendem Radius des Kindes nach. Gut möglich, dass sie in Kindergarten, Schule & Co mit starren Stereotypen zu tun haben werden. Entweder sind sie die dann schon von zu Hause gewohnt – oder sie wissen eben um die Alternativen und können sich und anderen den Rücken stärken, wenn mal etwas nicht in die Norm passt.

Noch wichtiger als das, was ihr euren Kindern erzählt, ist, was ihr euren Kindern zeigt. Wenn zuhause „die Mama“ alles macht und „der Papa“ nach der „Arbeit“ die Füße hochlegt; wenn „die Mama“ kichernd das Glas das sie nicht aufbekommt an den „Mann“ reicht und verkündet er müsse das öffnen, sie als Frau könne das nicht; wenn „der Papa“ der einzige im Haus ist der ein Loch in die Wand bohren kann, … kurz: wann immer ihr mit Genderstereotypen kokettiert oder diese tatsächlich an den Tag legt, dann wird euer Kind das aufsaugen wie ein Schwamm (Nachtrag 22.02.: es geht hier ausschließlich um das Bedienen von Stereotypen. Es ist ein Unterschied ob gesagt wird „Mach du bitte das Glas auf, du bist kräftiger.“ oder „Dieses Glas muss ein starker Mann wie Papa öffnen.“).

Was Wirklichkeit ist, was gut ist, was schlecht ist, was akzeptiert ist: Das alles lernen eure Kinder zuerst von euch. Wenn euer Kind nicht cis und hetero ist, wird es sich eines Tages outen müssen. Vielleicht ja wenigstens nicht euch gegenüber.

 


(Update: 13.03.2017: Ich habe auf zahlreiches Feedback hin das Wort „Vulvina“ durch das Wort „Vulva“ ersetzt. Vulvina bezeichnet Vulva und Vagina, aber tatsächlich wird das Vorhandensein der Vagina gar nicht zwangsläufig untersucht, so dass schon auf Grundlage einer vorhandenen Vulva die Kategorisierung als weiblich vorgenommen wird)

Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

54 Kommentare zu „Eure Kinder sind nicht hetero“

  1. Ich möchte meinem Kind natürlich auch alle Möglichkeiten offen lassen und es frei von Klischees erziehen, aber ich vermute, dass das nicht so einfach geht, weil ich ein Mensch mit Vulva, cis und hetero bin und mein Partner Mensch mit Penis, cis und hetero. Wir leben in einer monogamen Beziehung und ich fühle mich als Frau, er als Mann. Und diese Rollen, die wir inne haben wird doch das Kind sehen und übernehmen, egal ob wir mit unserer Sprache und unserer Erziehung andere Möglichkeiten offen halten?
    Ich denke, es ist für das Kind zuerst einmal das normal, was es bei seinen Eltern erlebt. Ja, um ihm eben mehr Möglichkeiten zu geben, werde ich ihm andere Modelle zeigen, andere Personen vorstellen, die für sich andere Geschlechter und andere Formen des Zusammenlebens definiert haben, aber ich denke, wenn ich eine komplette geschlechtsneutrale Erziehung anstrebe, müsste ich meiner Vorbildrolle als heterosexuelle Frau irgendwie ablegen können. Ich kann das nicht und selbst wenn, würde ich dann dabei authentisch sein?
    Kurzum: Kindern früh die Unterschiedlichkeit von Geschlechtern und Lebensentwürfen aufzeigen? Ja.
    Kindern ermöglichen, zu dem Menschen zu werden, der sie sein wollen? Ja.
    Kinder von vornherein quasi „geschlechtslos“ zu erziehen in der Hoffnung, dass sie dann nicht ausversehen das „falsche“ Geschlecht zugeschrieben kriegen und darunter leiden? Halte ich für nicht umsetzbar, einfach weil ich und mein Partner die ersten Vorbilder sind, die doch irgendwie unbewusst eine erste Orientierung vorgeben.

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  2. Wikipedia sagt, inzwischen gibt es nicht mehr die Vorgabe, geschlechtsspezifische Vornamen zu vergeben (https://de.wikipedia.org/wiki/Vorname_(Deutschland)#Namensgebung_und_-.C3.A4nderung).

    „allein schon durch die Hormone in der Pubertät“ *seufz* naja, als Mensch, der mit einer „DSD“ (disorder of sex development) diagnostiziert ist, wird mir da mulmig. Oder zumindest fühle ich mich erst mal „nicht gesehen“. Welche Konsequenzen das auf lange Sicht hat, kann ich für mich selber nur begrenzt sagen.

    Ich empfinde Zesyras präzise Sprache als sehr angenehm: Wenn es um die äußeren Genitalien geht, „Mensch mit Vulva/Penis“ zu schreiben. Man kann so auch andere Sachen genauer benennen: Geht es um die soziale oder juristische Rolle Frau/Mann, geht es um die Reproduktion Eizelle/Sperma/Gebärmutter… „Da ‚behindert‘ mittlerweile als Schimpfwort benutzt wird, sagt man nun ‚Mensch mit Beeiträchtigung‘ o.ä.“: Wenn ich davon rede, dass jemand behindert wird, sage ich „behindert“. Wenn ich von dem juristischen Fachbegriff „Schwerbehinderung“ spreche, dann sage ich es so. Wenn ich von (innewohnenden) Beeinträchtigungen rede, sage ich „beeinträchtigt“. Will ich über einen Menschen reden, sage ich „Mensch“. Geht es jemandem um das Stereotyp eines Menschen, der behindert wird, in einem Maß, dass ihr Menschsein nachrangig ist, kann man von mir aus auch „Behinderte_r“ sagen – aber dann verstehe ich das auch so und würde zumindest innerlich nachhaken, warum das Menschsein so nachrangig / das Behindertwerden so vorrangig ist, auch vor dem historischen Hintergrund.

    „Ich bin tolerant, reproduziere aber ohne Zwang Stereotype“: Ich glaube, ich bin in zu vielen Punkten selber so, aber in einem Punkt kann ich etwas dazu sagen: Das ist eine der Einstellungen, gegen die mein schwerbehindertes Kind, glaube ich, ständig stößt: Wir haben Inklusion und solange wir uns nicht bewegen müssen, ohne es uns überhaupt bewusst zu machen, ist alles im grünen Bereich: An Schulen z.B. Inklusionsquoten, die nur durch höhere Exklusion zunehmen neben Exklusionsquoten, die eher ansteigen, statt dass sie sinken. Aber wenn ein tatsächlich schwerbehindertes Kind mitmachen will und mehr als Quotenkind oder Kuscheltier sein will? Wenn Dein Kind nun tatsächlich nicht cis-gendered ist und ein Problem mit der Geschlechtszuschreibung hat? Wenn z.B. Dein Junge partout auch Kleider anziehen will und Flechtzöpfe haben mag oder Dein Mädchen einen Igel haben will und Bob-den-Baumeister cool findet? (Ist ein doofer Vergleich, aber so in etwa.)

    Dass unser Kind inzwischen an über 30 rolligerechten Kitas und 70 rolligerechten Schulen aufgrund seiner Behinderungen abgelehnt wurde, auch von vielen Einrichtungen, die sich „inklusiv“ oder „integrativ“ nennen, werden die anderen Kinder und Eltern dort vermutlich nie erfahren und sich und ihre Einrichtung ungebrochen als tolerant empfinden.

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  3. Uff – der Artikel ind alle bisherigen Kommentare dazu… – das war jetzt für jemanden wie mich, die (ja die!) sich noch nie wirklich mit dieser Thematik so begrifflich auseinander gesetzt hat, recht heftig!

    Ich musste vorhin erst einige Begriffe recherchieren (die ich noch nie zuvor gehört hatte): z.B. cis / bei anderen hab ich zur Überprüfung, ob ich nun alles richtig verstanden habe, auch noch mal recherchiert…
    Zeischendurch war ich fast etwas überfordert (hielt zum Glück nicht lange an!)

    Bin selbst „Mensch mit Vulvina, Cis und Hetero“ verheiratet mit einem „Mensch mit Penis, Cis und Hetro“, lebe seit ich ihn kenne monogam, hatte aber zuvor auch schon andere Partner. Wir sind eine Patchwork-Familie.
    Hier bei uns wohnen 4 Kinder (sage mal Kinder, mal Zwerge, mal Kids, mal Jungs und Mädel zu ihnen).
    Alter 14J. / fast 8,5J. / bald 7J. und ziemlich genau 0,5J. – 2 Söhne, eine Tochter und noch eine Sohn. Darf ich das nach dem Lesen des Artikels überhaupt noch sagen??? Oder ist das ebenso „falsch“ wie Junge/Mädchen???
    – Ja, auch ich finde diese Umschreibungen der allseits bekannten Begriffe nicht nur ungewohnt, sondern auch recht umständlich! Und ich bin mir noch nicht sicher, ob das im Endeffekt etwas Positives bewirkt (ich werde aber mal drauf achten).

    Ich habe immer versucht, meine Kinder „neutral“ zu erziehen und ihnen das zu ermöglichen, was ihnen Spaß macht bzw. dabei beizustehen, wo es eben eventuell nötig ist (z.B. Schule). Sofern möglich.
    Da z.B. Kinderkleidung etwas ist, was bei und durchaus etwas ist, was „vererbt“ wird, habe ich (zumindest spätestens seit meine Tochter auf der Welt ist) versucht, möglichst Sachen zu kaufen, die einfach BUNT sind (viel orange, grün, knall-rot und -blau, gelb). Das Problem, was ihr hier angesprochen habt wegen der Abteilungen in den Läden kenne ich daher leider auch – Abhilfe gab es jahrelang bei dem Laden mit o-O im Namen (seit einiger Zeit hibt’s da aber leider auch mehr und mehr Unterteilung in Jungs/Mädchen).
    Spielsachen sind bei uns alle in einem Zimmer (die beiden Mittleren schlafen dafür aber auch gemeinsam in einem anderen Zimmer). Da spielen die dann oft gemeinsam – ob nun mit Verkleidungskiste (viele Tier-Kostüme), Murmelbahn, den Plastik-Bausteinen oder der Spielküche und der Puppen-Familie. Draußen klettern alle 3 mit großer Begeisterung im Garten auf Bäumen herum, fahren Rad/Roller/Skate- oder Wave-Board, oder springen im Sommer in den Pool… …
    Zuhause muss jeder mithelfen, egal wer (o.k. Mini noch nicht ;-) ) & wobei (aufräumen, Tisch decken, beim Kochen helfen, Wäsche verräumen, Katzenklo, … … … ) – dafür sind wir eine Familie!
    Ich gehe zwar nicht auswärts arbeiten, will aber definitiv nicht die „Putzfrau vom Dienst“ sein! Dafür renoviere ich immer wieder auch mal was & kümmere mich nebenbei noch um Haus & Garten.
    Mein Mann & ich versuchen dadurch, allen Kindern gleichermaßen beizubringen, sich später selbst versorgen zu können.
    Auch denke ich, wir zeigen unseren Kindern, dass wir aufgeschlossen gegenüber allen anderen „Lebensplanungen“ (gibt’s da ein besseres Wort???) sind. Sprechen offen über alles, was sie interessiert oder beschäftigt (vor allem auch mit dem Großen, der entdeckt ja nun seit einiger Zeit das PuhBär-Tier in sich ;-) ).

    Jedes Kind hat einen (nein zwei) Namen von uns bekommen, die klar auch ein sofortiges Erkennen des biologidchen Geschlechts erkennen lassen. Wie habt ihr das mit der Namenswahl gelöst? So viele ganz neutrale Namen gibt es doch gar nicht? Und müssen die dann nicht noch von einem Zweitnamen begleitet werden, durch den das Geschlecht klar definiert wird??? (Fragen über Fragen!)

    Bisher ist mir bei keinem meiner Kinder aufgefallen, dass sich jemand in unserem eher klassischen Rollensystem zu hause, in seiner eigenen „Rolle“ hier oder gar dem eigenen Körper unwohl fühlt.
    Also sind sie -zumindest auf den ersten Blick- auch alle (noch?) Cis und Hetero!? Würden sie also der Überschrift des Beitrages wiedersprechen…???
    Sollte sich da was ändern, würde ich natürlich alles Nötige tun, um zu helfen, dass sich das Kind in SEINEM LEBEN wieder gut fühlt. Wer auch immer an der Seite des Kindes stehen mag / was auch immer es plant (der Berufswunsch ist da dann vermutlich eher eine kleinere Hürde) etc.

    Ich wäre nun eigentlich davon ausgegangen, dass diese (unsere) Einstellungen in der heutigen Zeit recht weit verbreitet sind – da war ich dann wohl zu naiv!?

    Auch wenn ich den Artikel jetzt erst mal sehr interessant fand & finde – ich muss das jetzt erst mal alles sacken lassen… Vermutlich werde ich mich jetzt nicht sofort ändern (ich wüsste eigentlich sich nicht, was ich ändern sollte) – höchstens versuchen, mit noch offeren Augen durchs Leben zu gehen und die Ohren zu spitzen, damit ich irgendwelche kleinen Anzeichen meiner Mitmenschen nicht vetpasse und sie da unterstützen kann, wo es nötig ist – aber nur, wenn sie das auch möchten!

    Uff (das zweite) – die Idee mir dem „Alles bei einem Gläschen Wein“ oder bei was auch immer (ich stille noch) live zu bereden klingt immer verlockender! ;-)
    Chiara

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    1. Da geht es mir ein bisschen wie dir. Mache das auch so wie du. Ich ziehe meinem Kind an, was ich gut & cool finde, bis es ins Alter kommt, wo es mich nicht mehr lässt.
      In unserem Haushalt bohre ich die Löcher und montiere Bretter. Mein Mann ist Wissenschaftler. ;-)

      Zu den weiblichen Geschlechtsteilen sage ich zur Zeit „Mädchenzone“. Auch um auszudrücken, dass dieser Bereich IHR (Tochter) gehört.
      Dazu gäbe es natürlich noch mehr zu sagen…. zeitmangel…

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  4. Ich verstehe bei dieser Diskussion scheinbar was grundsätzliches nicht.

    Du schreibst, dass du alles, was im Allgemeinen so als „Geschlecht“ bezeichnet wird, für soziale Konstrukte hältst, die es nicht wert sind erhalten zu werden. Deine Meinung, dass Kinder nicht in diese Rollen gedrängt werden sollen, ist eine logische Schlussfolgerung, soweit klar.

    Weiter schreibst du, dass Kinder dadurch in eine Geschlechterrolle genötigt werden, indem man ihnen rollentypische Bekleidung anzieht. Meine Frage dazu: Akzeptierst du die Funktion von Bekleidung als Rollenkostüm, oder nicht? Irgendwie gehört diese Funktion ja zum sozialen Konstrukt dazu.

    Denn wenn ja, müsste man dann nicht konsequenterweise auch jeden kritisieren, der sein Geschlecht über seine Bekleidung darstellt – z.B. Trans-Frauen? Eigentlich natürlich jeden, aber ich nehme Trans-Frauen mal als Beispiel, weil es in dem Fall besonders unschön zu kritisieren wäre.

    Noch etwas, was ich nicht verstehe: Wenn das körperliche Geschlecht irrelevant ist, es keine angeborenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, und sämtliche gesellschaftlich gemachten Unterschiede zwischen den Geschlechtern Machtstrukturen stärken, welchen Sinn hat die Kategorie Geschlecht überhaupt noch?

    [Zufälliger Avatar, weil ich mir dafür keinen wordpress-account anlege.]

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  5. Ich bin auch Feministin. Dennoch glaube ich an die Unterschiedlichkeit der Geschlechter. Derer gibt es mehr als Zwei, auch das ist wohl klar. Aber die Zwei sind eben die häufigsten. Und da sind, wie im Tierreich bestimmte Verhaltensweisen, Vorlieben, Abneigungen mehr oder weniger stark angelegt. Allein schon durch die Dosis der Hormone, denen wir, auf Grund unserer angelegten Geschlechtlichkeit ausgesetzt sind, verändert unser Verhalten. Bei Kindern, die in die Pubertät kommen, kann man das gut beobachten. Wenn zB Testosteron einschießt, wird körperliche Behauptung plötzlich zum Thema…
    Dennoch sind wir Menschen, die (meistens) nicht komplett ihrer Veranlagung ausgesetzt sind oder sein möchten.
    Das ist jetzt hier meine These, die auf meinen Beobachtungen basiert.
    Aber was man glaubt ist dabei eigentlich egal. Denn wichtig ist doch nur, wie man Handelt und dass man sich der vielen Unterschiedlichkeiten bewusst ist. Die Benennungen finde ich dabei nicht so wichtig, wie das eigene offen-sein und das nicht-diskriminieren von Menschen, die nicht zur Mehrheit gehören. Dazu gehört zB auch, Menschen so zu benennen, wie sie benannt werden wollen. Übertrieben finde ich, alle Menschen neutral anzusprechen.
    Oder, wie du es tust: Menschen mit Penis, oder Menschen mit Vulva. Denn dafür gibt es ja Wörter. Die finde ich jetzt nicht schlecht.
    Bei meinen Kindern war mir extrem wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, sich selbst zu definieren, ohne allzu sehr dabei gestört zu werden. Was natürlich in unserer Gesellschaft schon recht schwierig ist.
    Meine Tochter hatte eine kurze Glitzer-rosa-Phase, stellte dann aber schnell fest, dass das ganze Prinzessinnenzeug nicht Spielplatztauglich ist und steuerte ab da nur noch die Jungsabteilungen der Läden an. Das war einfach viel bequemer. In der Pubertät kam die nächste Wandlung. Aber so’n Mädchen-Mädchen ist sie nie geworden. Gut so.
    Mein Sohn hatte eine Mädchenphase, in der er Röcke, Nagellack und Zöpfe trug und sich von uns mit einem Mädchennamen anreden ließ. Er bekam keinerlei schlechtes Feedback, da wir ihn unterstützten und alle anderen ihn eben für ein Mädchen hielten. Irgendwann wollte er dann aber lieber Jungszeug tragen. (Er erinnert sich heute übrigens nicht mehr daran.)
    Beide Kinder sind bis heute sehr selbstbewusst in der Art, wie sie sich äußerlich zeigen, was Frisuren, Klamotten und Neigungen betrifft.
    Dabei passieren durchaus tolle Dinge. Mein Sohn hatte irgendwann in der Grundschule noch mal richtig Lust auf Nagelack, weil die große Schwester zu der Zeit grad viel damit experimentierte. Ich half beim Lackieren, sprach aber auch mit ihm über die Möglichkeit, des Mobbings in der Schule. Er hörte sich das an und ging trotzdem mit bunten Fingernägeln. Es gab Jungs, die ihn tatsächlich hänselten. Aber tatsächlich gab es auch Jungs und Mädchen, die das toll fanden. Und – er wurde Trendsetter. Am nächsten Tag kamen einige Jungs mit Nagellack.
    Wen oder wie meine Kinder lieben werden, wird sich zeigen. Tendenzen sind, denke ich schon zu erkennen. Aber manchmal dauert es ja wohl auch länger und bedarf einiges Ausprobieren, bis es einem klar wird. Mir ist es egal.
    Unser Freundeskreis ist sehr bunt. So dass meine Kinder durchaus auch unterschiedliche Lebens und Liebesmodelle vorgelebt bekommen. Wir gehen auch zusammen auf den CSD.
    Ich finde nicht, dass man Glitzer-rosa-Phasen verbieten sollte. Erschafft man nicht gerade damit eine Sehnsucht? Es ist doch OK, sowas einfach auch mal auszuleben.
    Diese Äußerlichkeiten finde ich gar nicht schlimm. Schlimm sind doch die Ungerechtigkeiten wie unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern. Schlimm sind Um-Operationen im Säuglingsalter, damit ein Geschlecht festgelegt wird. Schlimm ist die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Schlimm ist, das Baby-Mädchenkleider auf Taille geschnitten sind…. Es gibt viele Beispiele.

    Joa, ich glaube ich könnte hier noch seitenlang weiter machen, aber es ist ja auch kein einfaches Thema…
    Drum hör ich jetzt mal auf.
    LG

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    1. Liebe Jana,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ich glaube auch an eine Unterschiedlichkeit der (biologischen) Geschlechter – allerdings weiß ich nicht wie groß diese sind und ich verorte diese ausschließlich auf eine körperliche Ebene. Ich glaube nicht, dass unser Verhalten von unseren Genitalien und Co (siehe auch dieser Artikel zu Intersex bei Spektrum: http://www.spektrum.de/news/die-neudefinition-des-geschlechts/1335086) bestimmt ist, sondern eben, dass wir aufgrund der Zuschreibungen die uns mitgegeben werden ein Verhaltensrepertoire entwickeln, dass dann wiederum diese Zuschreibungen verfestigt.
      Bei Pubertierenden wird ja erwartet, dass jetzt die „Geschlechtshormone“ zuschlagen und sie deshalb ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen – und ihr Verhalten wird dann auch entsprechend gedeutet. Interessant fände ich es wie viel dieses Verhaltens noch „eindeutig geschlechtlich motiviert“ ist, wenn eines Tages die geschlechtergerechte Erziehung soweit ist, dass sich ein Verhaltensrepertoire entwickeln kann, welches überwiegend frei von geschlechtlicher Zuschreibung ist, also so in ein paar hundert Jahren ^^“.

      Warum ich die Benennung so wichtig finde hatte ich auf einen anderen Kommentar schon geschrieben, ich kopiere das einfach mal hier hin:
      „Sprache ändern ändert vielleicht nichts an den Menschen die Sprache bewusst nutzen um zu verletzen, aber es ändert viel an den Menschen die Sprache nicht bewusst benutzen, sondern einfach nur sich an die Sprachverwendung der Umgebung anpassen. Ja! Das Durchgendern der Sprache ist anstrengend und es macht die Sätze nicht schöner. Ich betrachte es als Übergangslösung, als Werkzeug bis wir bessere sprachliche Alternativen gefunden haben.”

      Alle Menschen neutral anzusprechen ist übertrieben, sagst du. Aber was spricht denn dagegen zu sagen „Werte Mitmenschen“ statt „Werte Damen und Herren!“, „Guten Morgen Kinder“ statt „Guten Morgen Jungs und Mädels“ und eben „Kind“ statt „Junge“ und „Mädchen“? Wann findest du eine geschlechtliche Bezeichnung wichtig – und warum?

      Ich sage „Menschen mit Penis“ und „Menschen mit Vulva“ weil eben nicht alle Menschen mit Penis Männer/Jungen sind und nicht alle Menschen mit Vulva Frauen/Mädchen. Ich fände es gänzlich falsch von Männern/Frauen zu sprechen, wenn ich diese nicht (nur) meine. Und die kann ich nur meinen, wenn ich von Cis-Menschen spreche und von Trans-Menschen die sich im binären System definieren (wobei da dann wieder einige Cis auf die Barrikaden gehen – es bleibt also kompliziert). Aber ich spreche von Kindern die in der Regel noch keine Selbstdefinition von Geschlecht haben, sondern einfach Kinder sind und von außen definiert werden. Eben ab dem Zeitpunkt ab dem irgendein anderer Mensch sagt „Es ist ein [Junge/Mädchen]“. Ab diesem Moment beginnen die Zuschreibungsmechanismen zu wirken – ganz automatisch und ohne dass wir uns dem wirklich entziehen können. Es ist ein stetiges Bewusst-Machen und Bewusst-Werden, wenn wir dagegen etwas unternehmen wollen.

      Viele sagen für Kinder ist die Geschlechtszugehörigkeit wichtig zur Identitätsbildung. Dass dem so ist zweifle ich nicht an. Ich zweifle nur an, dass das „natürlich“ oder „von der Biologie so vorgesehen“ ist. Die Bedeutung von „Geschlecht“ inszenieren wir ja selbst jeden Tag aufs Neue und erschaffen eine Realität in der „Geschlecht“ etwas darüber aussagt wie wir sind/sein dürfen/sollen. Und in Folge darüber welche Berufe wir ergreifen, wieviel Geld wir verdienen und bis zu welcher Hierachieebene wir befördert werden.
      Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir das ändern können, wenn wir bewusst gegen die einschränkenden und exkludierenden Stereotype vorgehen.

      Du sagst die Äußerlichkeiten sind nicht schlimm – aber genau die führen zu den Ungerechtigkeiten die du anprangerst. Es gibt natürlich Einzelbeispiele in denen die Tochter die immer nur mit rosa glitzer Bekleidung rumlief und Barbie spielte am Ende Maschinenbau studiert und eine Koryphäe auf ihrem Gebiet wird. Aber diese Einzelbeispiele sind nicht repräsentativ. Viele begründen das dann wiederum damit, dass es eben doch ein „geschlechtlich angeborenes“ Verhalten und Neigungen gäbe, statt damit dass es eben nur wenige schaffen sich aus dem ihnen gesteckten Rahmen heraus zu bewegen.

      Die Sexualität ist dann ein weiterer Punkt, der auch vom vorhergehenden beeinflusst wird. Während „schwule Jungs“ oft mit „weiblich“ und damit auch oft mit „verweichlicht“ assoziiert werden, sind „lesbische Mädchen“ in den Köpfen oft unterteilt in „femme“ und „butch“, also entweder in einer betont weiblichen oder in einer vermännlichten und damit aufgewerteten Form. Bisexualität ist „sowieso nur eine Phase“ die je nach Lebenspartner*in in homo oder hetero umgedeutet wird (siehe https://nooborn.wordpress.com/2016/09/21/mama-ist-bi/). Über die Repräsentation von bi in den Medien lasse ich mich jetzt nicht aus, der Kommentar zum Kommentar hat nämlich jetzt schon wieder Blogpostlänge.
      Liebe Grüße,
      Zesyra

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  6. ..schöner Text, hab ich interessiert gelesen aber eine Frage stellt sich mir doch: warum verniedlichst du die vulva, nicht aber den penis?

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    1. Hallo,

      Vulvina ist keine Verniedlichung sondern ein Neologismus aus Vulva und Vagina https://youtu.be/w17OSvumkew als Alternative zu den 100ten unschöner Worte :) Wobei ich schon darauf hin gewiesen wurde, dass im Kontext des Textes auch Vulva ausreichend wäre. Ich denke ich werde das noch umformulieren.

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  7. Ich finde den Artikel interessant und habe darüber nachgedacht.
    Ich halte mich für tolerant, in den thematisierten Punkten. Dabei ziehe ich mein Kind geschlechtertypisch an. Ich glaube das eine schließt das andere nicht aus. Wir Eltern ziehen das an, was uns gefällt, das Kindli kann sich noch nicht entscheiden.
    Ich finde die Idee mit der Jungen/Mädchen Einkaufsabteilung einen interessanten Gedankengang und kann da was für mich mitnehmen.

    Auch bei eigenen Gedanken, die Schubladen bedienen. Auch hierfür ist der Artikel super, wie ich finde.

    Es gibt auch ein aber.
    Mein Kind (ich lasse das Geschlecht mal ganz bewusst weg), nehme ich, wie es ist. Optisch erstmal Geschlecht Blubb, innerlich lernen wir uns jeden Tag besser kennen.
    Wenn ich Toleranz lebe, wird mein Kind offen sein.
    Wir haben schwule, lesbische, hetero und bisexuelle Freunde. Die gehören dazu genau wie die, die noch nie geliebt haben und die, die viel probieren oder wechseln, weil der Mensch zählt und sein Verhalten mir und mejnen mir wichtigen Menschen, gegenüber.

    Ich verstehe den Ansatz total gut und kann mir vorstellen, dass es wichtig ist, dass Menschen so „extrem“ sind, damit sich etwas ändert. Alle müssen nicht so extrem sein (nein, das habe ich auch nicht so interpretiert und es steht da auch nicht so).
    Ich glaube aber, wenn mein Kind weiß, dass ich es nehme, wie es ist, nicht böse bin, aufgrund einer Charaktereigenschaft oder Leidenschaft, glaube ich, dass auch die ewige Prinzessin und der eingefleischte Ritter die Rollen tauschen können.
    Oder eben feststellen, dass die Prinzessin lesbisch ist, der Ritter schwul, oder nichts, oder alles.

    Für mich ist es wichtig authentisch zu sein. Also ziehe ich mein Kind an, wie es mir passt, bis mein Kind Wünsche äußert (dafür kann man tatsächlich mal fein in die fremdgeschlechterabteilung wackeln) und nehme was kommt.
    Mit wem mein Kind später schläft oder auch nicht, ist doch wirklich herzlich egal, solange es das freiwillig tut.

    Sieht aber wohl auch echt nicht jeder so.

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  8. Ich würde gern wissen, warum du die Begriffe Junge / Mädchen vermeidest und stattdessen von Mensch mit Vulvina / Penis sprichst, wenn es um geschlechtsneutrale Erziehung geht. Das klingt sehr umständlich und gekünstelt, was mich oft an politisch korrekten Texten stört. Um Zuschreibungen nicht aufzugreifen, wird dann die Sprache immer extremer neutralisiert, was meiner Meinung nach jedoch nichts am Grundproblem ändert. Da „behindert“ mittlerweile als Schimpfwort benutzt wird, sagt man nun „Mensch mit Beeiträchtigung“ o.ä., was aber die Einstellung der Schimpfwort-Nutzer gegenüber behinderten Menschen auch nicht ändert. Für mich ist ein Junge ein Mensch mit einem Penis. Und das hat nichts damit zu tun, was er gern macht, trägt oder wen er liebt. Wenn es akzeptiert ist, dass Jungs gern zeichnen, sensibel, musikalisch und was auch immer sein können, dass sie lange Haare tragen möchten und Jungs lieben oder niemanden, müssen sie sich auch nicht „im falschen Körper fühlen“, wenn sie diese Vorlieben an sich bemerken. Viele Grüße, Salita.

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    1. Sorry, aber das zeigt leider viel Unwissen über Transsexualität. Das „sich im falschen Körper fühlen“ hat nichts mit weiblich/männlich konnotierten Eigenschaften zu tun, die jemand hat und die dem anderen Geschlecht zugeordnet werden. Wirklich nichts. Deshalb gibt es durchaus Frauen mit Penis und Männer mit Gebärmutter.

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    2. Uff. Also wie Julie sagt würde ich gern erstmal ein paar Missverständnisse aus dem Weg räumen:
      Sich „im falschen Körper fühlen“ bezieht sich genau auf das – auf den Körper. Es kommt oft noch eine ganze Latte an Geschlechterstereotypen denen mensch entsprechen will dazu. Aber wer einen Körper mit Penis hat aber keinen Penis haben will, dem hilft es auch nichts, wenn die Geschlechterstereotypen sich in Luft auflösen.
      Es gibt aber auch Menschen mit Penis die keine Jungen sind. Inter, nonbinary und/oder trans-Menschen, die ihren Penis vielleicht nicht störend finden, aber eben keine Jungen/Männer sind.

      Nun mag ich neben dem Feminismus auch noch Wittgenstein sehr gern. Sprache schafft Realität, ganz sicher. Du kannst das ausprobieren: stell dich mal 3 Wochen lang vor den Spiegel und sag dir jeden Tag das Gleiche, vorzugsweise etwas Positives (zB „Ich bin wundervoll“), ich will nicht dass es dir schlecht geht. Dokumentiere ob sich verändert wie du dich fühlst.

      Sprache ändern ändert vielleicht nichts an den Menschen die Sprache bewusst nutzen um zu verletzen, aber es ändert viel an den Menschen die Sprache nicht bewusst benutzen sondern einfach nur sich an die Sprachverwendung der Umgebung anpassen. Ja! Das durchgendern der Sprache ist anstrengend und es macht die Sätze nicht schöner. Ich betrachte es als Übergangslösung, als Werkzeug bis wir bessere sprachliche Alternativen gefunden haben.

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  9. Guter Artikel zu einem wichtigen Thema.
    Ich denke, was man sich vor Augen führen muss ist, dass man, wenn man sich in gewissen gesellschaftlichen Kreisen bewegt (und vor allem in der Großstadt), sozusagen den „Luxus“ hat, sich weniger radikal mit dem Thema Gender auseinandersetzen zu müssen. Wenn im eigenen Umfeld alle Mütter (hochqualifizierte) Berufe haben, die Papas auch Elternzeit nehmen und nicht nur an Weihnachten mal kochen, und dann am Ende noch ein schwules Elternpaar im Freundeskreis ist, dann entsteht leicht der Eindruck, man hätte vollständige Gleichberechtigung der Geschlechter und lebe sozusagen in einem „Post-Gender-Zeitalter“. Schadet dann ja nicht, wenn die Neugeborene nur rosa anhat, „damit man auch sieht, dass das ein Mädchen ist“. Das ist aber natürlich nicht so und die mehr oder wenige rigide Umsetzung von geschlechtsgebundenen Rollenvorstellungen beeinflusst das Leben von uns allen. Und diese Rollenvorstellungen erschöpfen sich ja leider nicht in der Frage, wie schnell man seine Kinder 10 Stunden pro Tag in die Fremdbetreuung geben kann, damit beide Eltern wieder gleichberechtigt arbeiten können.
    Ich persönlich gehe nicht so weit wie andere (und vielleicht auch du?) und versuche, die Termini „Junge“ und „Mädchen“ in der Familie abzuschaffen. Ich denke, das verwirrt ganz kleine Kinder mehr, als dass es ihnen nützt, zumindest in dieser Gesellschaft. Aber ich lege viel Wert auf die Reflexion der ROLLE „Mädchen“ bzw. „Junge“, denn das ist das, was Probleme macht, zumindest in meinen Augen (dazu gehört dann auch das Thema Homosexualität, denn dass Männer gefälligst Frauen zu heiraten haben, ist auch eine Rollenvorstellung).
    Meine Tochter ist noch klein (15 Monate), aber ihr Kleiderschrank (und ihr Zimmer, Spielzeuge, etc) ist bunt gemischt. Auf der Straße wird sie immer für einen Jungen gehalten (ihr Schneeanzug ist blau/grün, das kann ja dann kein Mädchen sein…). Wir leben keine festen Rollen vor (Wir kochen beide gleich viel, Papa näht, ich stricke, er sägt, ich hacke Kaminholz, er macht die Katzenklos), jeder macht nach Möglichkeit das, was ihn persönlich interessiert oder was halt gemacht werden muss.
    Interessant ist, wie häufig wir damit auf Wiederstand stoßen, selbst in der eigenen Familie. Ich musste mir schon anhören, ich solle „dankbar sein, dass mein Mann so viel im Haushalt macht“ (er macht 50%. Ihm sagt niemand, dass er dankbar sein sollte, dass ich 50% mache). Mir wurde auch vorgeworfen, dass ich unsere Tochter „nicht Mädchen sein lasse“, weil ich den pinken Tüll-Tütü für mein damals 5 Monate altes Kind abgelehnt habe. Meine Mutter hat triumphiert, als die Kleine eine Puppe zu Weihnachten bekam. „Sie ist halt doch ein Mädchen!“. Und dabei hat sie es mit einem Mädchen noch einfacher als mit einem Jungen, denn es ist schon eher akzeptiert, dass Mädchen in blau rumlaufen und wild sind, als dass Jungs im rosa Kleidchen in der Puppenküche hocken dürfen.
    Solange solche Rollenvorstellungen, die Mädchen wie Jungen beschränken, so in den Köpfen verankert sind, dass sich Leute bei mir entschuldigen, weil sie die Weiblichkeit meines Kindes nicht auf den ersten Blick erkennen konnten, solange muss sowas immer wieder thematisiert werden.

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  10. Schönes Aufregerthema. Aber ich lass mir doch nicht vorschreiben, wie wir unsere Kinder deiner Meinung nach erziehen sollen. Wenn unsere Kids keine Kleider oder Hosen tragen wollen, dann ist das ihr Ding und nicht die Angelegenheit Dritter.

    Was völlig traurig ist an diesem Beitrag? Die Attitüde. Diese ständigen Vorwürfe gegen Eltern, die anders unterwegs sind als du. Schade.

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    1. Du darfst gerne anders unterwegs sein als ich. Du darfst dann nur nicht behaupten du wärst voll engagiert im Kampf um Gleichberechtigung. Was deine Kinder tragen wollen, sollen sie tragen. Steht auch so im Text :)

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      1. Entschuldige bitte, aber musste ich jetzt sehr lachen. Weil ich nicht deiner Meinung bin, darf ich nicht behaupten, ich wäre voll engagiert im Kampf für die Gleichberechtigung?

        Meinst du das wirklich ernst?

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  11. Danke für den Text. Ich bin tolerant bei den Kindern und werde es auch bleiben. Deshalb gab es viel Stress mit meinem Exmann, der noch immer nicht toleriert dass sein Kind transgender ist. Es hat sich outen müssen. Ich falle in alte Muster zurück, wenn ich über es spreche. Dann wird häufig doch eine Sie draus mit dem Namen, den wir gegeben haben. Eben auch deshalb, weil der Name den es ausgesucht hat behördlich nicht anerkannt ist.
    In einer Gesellschaft in der Aussprüche wie ‚bist du schwul‘ zum mobben genutzt werden ist es noch ein sehr langer Weg zur Toleranz gegenüber aller Geschlechtsformen 😐 Und bei der momentanen politischen Richtung in vielen Ländern ist eher ein Rückschritt zu erwarten. Traurig aber leider wahr 🙁

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  12. Ich hoffe ich habe jetzt alles im Kopf, Text gestern gelesen und nochmal 1500 Wörter lesen… Mhm… ;)

    Erstmal will ich was zu dem Anziehen sagen, egal ob blau oder rosa. Ich finde es total schwer, weil ich mein Kind nicht so anziehen möchte, wie ich es schön find. Er ist derzeit noch nicht so interessiert an seiner Kleidung und wir Eltern wählen diese. Ich hoffe aber, dass er dies bald tut. Als Beispiel, ich liebäugel oft mit Kleidung wo was mit Frozen drauf ist. Doch dann denke ich mir, meinem Kind etwas anziehen, wovon ich „Fan“ bin? Das ist auch irgendwie etwas aufzwingen…

    Und wie ich schon ein bisschen bei Twitter schrieb. Ich denke, das Selbstreflexion sehr wichtig ist, dies überträgt sich dann auch (hoffentlich) aufs Kind. Wie du schriebst, viele sagen (scheinbar) Tolerantes wie: „Klar darf mein Sohn einen Rock tragen.“ Und ganz eigentlich haben sie sich nie darüber Gedanken gemacht. Es stecken halt Muster in uns und diese aufzubrechen oder zumindest zu erkennen und von ihnen zu wissen ist nicht immer einfach. Und ich denke, dass genau so ein Text wie deiner gut ist, um Eltern (und allen anderen) eine Anstoß gibt eigene Muster zu überdenken.

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    1. Ich finde es tatsächlich völlig legitim den Kindern anzuziehen was den Eltern gefällt solange es den Kindern egal ist (und sie nicht sexualisiert oder einschränkt). Wenn du also auf Frozen stehst – klar, anziehen! (Unsere Kinder haben auch auf Grund der Vorliebe meines Mannes ne Menge My little Pony Kram). Nur wenn du einem Kind mit Penis die Elsa-Klamotte nicht anziehen würdest, einem Kind mit Vulva aber schon, wäre ich verwirrt und würde warum fragen.

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      1. Es gibt doch auch Frozen-Tshirts und andere Kleidungsstücke für Jungs, da muss man gar nicht in der Mädchenabteilung shoppen gehen :)

        Es ist überhaupt nicht seltsam, die Kinder je nach Geschlecht unterschiedlich anzuziehen (oder generell unterschiedlich), steht ja nicht alles jedem Kind gleich gut.

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        1. Joar und wenn du das Geschlecht streichst, dann lässt sich das Kind immer noch individuell einkleiden (und das Kind mit Penis dem rosa so bezaubernd steht wird nicht auf Grund angenommener Männlichkeit von rosa fern gehalten).

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  13. Sehr guter Artikel und ich sehe vieles ähnlich. Nur der letzte Teil über die Rollenverteilung in der Familie finde ich nicht so gut. Denn ich empfinde es als absolut gleichwertig, ob Frau oder Mann Zuhause bleiben und es eben nicht erstrebenswerter, das die Mutter das Geld heim Bringt, Handwerklich begabter ist und Fussball schaut.

    Ich habe oft das Gefühl, das Menschen die ihr Kind in keine Geschlechter Rolle pressen wollen, ihr Kind dann in die Gegenteilige pressen. Jungs die Kleid tragen sind dann beundernswert und Mädchen die mit Bagern spielen super. Das Gegenteilige aber nicht so erstrebenswert. Den man muss ja auf entgegen der norm handeln.

    Das ist in deinem Artikel eindeutig nicht so, aber die Rollen der Eltern suggarieren mir ähnliches, um jeden Preis muss es von der norm abweichen. Ich finde es völlig ok, wenn Papa Handwerklich begabter ist, aber nicht weil er ein Mann ist sondern weil er eben diese Person ist. Aber ihm dürfen sowohl das Kind mit Penis als auch Vulva helfen, je nach deren interesse.

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    1. Das sehe ich genauso!
      Nebenbei beobachte ich oft, dass Kinder, die vom Elternhaus nicht so stark in eine Richtung gedrängt werden, unabhängig vom biologischen Geschlecht sowohl „typisch weiblich“ empfundene Eigenschaften entwickeln als auch solche, die eher dem „männlichen“ Spektrum zugeordnet werden, in unterschiedlichen Gewichtsanteilen je nach individueller Persönlichkeit.
      Was ja auch zeigt, dass „typisch weiblich“ und „typisch männlich“ so eben doch nicht angeboren ist. Jungs, die alles mädchenhafte vehement ablehnen, und Mädchen, die Jungenhaftes konsequent vermeiden, spiegeln damit die Haltung, die ihnen vom Elternhaus präsentiert werden. Ansonsten kommt halt eine gesunde Mischung raus, die in manchem den Klischees entspricht, und in manchem eben gar nicht.

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    2. Ich denke den Teil werde ich nochmal umformulieren, da scheint tatsächlich viel missverstanden zu werden, also habe ich unsauber formuliert.
      Worum es mir geht ist, dass das gerne so sein darf, aber doch bitte NICHT als Stereotyp ausgelebt werden sollte.
      Wenn der Mann der handwerklich begabte ist, dann ist das so – wenn es dann aber heißt, dass sei das natürliche, dann ist das doof.

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  14. Tja, wer sagt es sei respektlos seinem Sohn Kleider anzuziehen bzw dies sähe affig aus, der zeigt doch ganz gut auf wieso so viele Menschen Probleme damit haben zu sein wer sie wirklich sind. Wobei ich die Aussage, dass man alles dafür gibt seine Kinder monogam zu erziehen, auch mehr als fragwürdig finde… Ich bin wahnsinnig froh dass es Leute gibt die so denken wie die Autorin. Ich hoffe mein Krümelmonster muss sich nie vor mir outen und kann immer genau die Person sein, die sie ist. Denn wenn man das bei der eigenen Mutter nicht kann, bei wem denn sonst? :) Danke für so viel Mut solch ein „sensibles“ Thema so offen anzusprechen :)

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  15. Ich habe erst zwei Töchter, dann zwei Söhne bekommen. Da ich selber pinken Kram unheimlich gern mag (ich weiß- Klischee, Klischee), haben meine Babies pinke Bodies und Strampler getragen. Alle vier.
    Was bis jetzt draus geworden ist: K1 (weiblich) ist heute 14 und würde pink nur als Alternative zu totaler Nacktheit akzeptieren, sie steht auf Politik, Geschichte und Fußball, findet hohe Schuhe toll, liest dicke Wälzer über das politische System der USA und geht gern auf Demos, bei denen für den Umweltschutz gekämpft wird.
    K2 (weiblich) ist 12 und findet so ein bisschen pink mal ganz schick, mag Make-up und Klamottenvielfalt und liest nur, wenn sie muss. Sie mag Achterbahnen und alles Gruselige, ist extrem kommunikativ und empathisch: keiner weint so heiße Tränen über das traurige Schicksal anderer.
    K3 (männlich) ist 9, mag Fußball und (zu unserem Leidwesen) Waffen, trägt Klamotten nur in blau, grau und schwarz , spielt wilde Computerspiele und bolzt mit seinen Kumpels auf dem Schulhof. Er liest für sein Leben gern und teilt mit seiner Schwester die Vorliebe für Erschreckendes. Er spielt Horn, mag Jungs und Mädchen gleichermaßen, ist extrem gesellig und wählt mit hingebungsvoller Sorgfalt seine Orchesterklamotten aus: passen die Schuhe zum Anzug? Nein, die hellen Socken gehen gar nicht…
    K4 (männlich) ist 7, sensibel und lärmempfindlich, liebt Pflanzen und Experimente, liest viel und findet die Computerspiele seines Bruders auch manchmal ganz spannend. Seine Lieblingsfarbe ist pink, und das ist so, seit er vier ist. Hosen, Hemden, Schuhe- idealerweise ist für ihn alles pink. Schulranzen: quietschpink. Glitzer überall: aber gern. Seine beste Freundin darf ihn auch mal schminken. Er spielt Geige und Minecraft, hinterfragt alles und schreibt gern eigene Geschichten.
    Hat das Geschlecht etwas mit dem Charakter zu tun? Aus meiner Erfahrung heraus sage ich da mal: Nö. Wen meine Kinder später mal lieben werden, ist mir gleich. Hauptsache, sie finden jemanden, der passt… das wäre schon schön.

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    1. Tipp für die Waffenliebe: LARP. Gibt es auch schon für Kinder in seinem Alter und bringt den respektvollen, achtsamen und guten Umgang bei Kämpfen mit Waffen bei in einem REIN spielerischen Umfeld.

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  16. Ich finde es gar nicht so einfach, aus meiner Haut zu kommen. Ich bin ziemlich klar „gepolt“ erzogen und habe auf eben dieser Basis Vorlieben und Abneigungen entwickelt. Die gebe ich, gleichermaßen gewollt wie ungewollt weiter an meine Kinder. Logisch, wenn mir auffällt, dass da irgendwo Murks dabei ist, versuche ich zu rearrangieren. Aber einfach ist es nicht. Und besonders gut vorangekommen scheine ich auch noch nicht zu sein. Ich denke über vieles nicht Mal nach. Zum Beispiel, ob ich davon ausgehe, dass sich meine Kinder überhaupt an einer Art Rollenmodell orientieren. Ob unsere Familie überhaupt als Modell taugt. Ob der Mensch, mit dem meine Kinder alt werden wollen ein bestimmtes Geschlecht haben sollte.
    Insofern bin ich froh um gut argumentierte Denkanstöße wie diesen. Das Ergebnis muss nicht immer lauten, dass man in der Praxis etwas verändern muss. Manchmal ist schon der gedankliche Sprung auf die andere Seite Gold wert :)

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    1. Ich bin auch immer froh über neue Denkanstösse, die @frau_naijn auf Twitter würde ich noch empfehlen, Blog: https://memyselfandchild.mom/ meine persönliche <3 Entdeckung in jüngster Zeit, auch bezüglich Rassismus, gibt's da einiges zum Gedanken schubsen.
      In den 80ern war die Erziehung aber generell noch nicht ganz so krass genitalzentriert. Wenn mensch sich heutzutage in Spielzeugläden und Klamottenläden umguckt, gibt's da ja fast nix mehr, was nicht gegendert ist.

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  17. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie hetero und cis sind, ist aber schon recht groß. Und ich finde nicht, dass man sich zuhause verbiegen sollte, wenn man eine traditionelle Rollenverteilung leben möchte. Genauso wie andersherum. Aber ich finde es ziemlich… arrogant… alle Eltern, die ihr Mädchen als Mädchen und ihren Jungen als Jungen erziehen, als intolerant und schlechte Eltern zu bezeichnen. Kinder sind nun mal nicht gleich und haben auch ihren eigenen Charakter, den ich nicht mit erzwungener geschlechtsloser Erziehung kaputt machen möchte. Menschen sind nun mal nicht geschlechtslos. Und man muss sich nicht gegenseitig überbieten, wer sein Kind am neutralsten erziehen kann.

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    1. Joar, die Wahrscheinlichkeit, dass meine Kinder nie in ihrem Leben einen Autounfall haben ist auch recht groß. Und trotzdem sitzen sie in Kindersitzen.
      Mensch soll sich zuhause nicht verbiegen, aber wer diese Rollenverteilung wirklich *frei* gewählt hat, der*dem fallen sicher kreative Wege ein, seinem Kind andere Arten von Rollenverteilung aufzuzeigen.
      Ich sprach auch nicht von intolerant, sondern von „nicht so tolerant wie vorgegeben wird“. Und schlechte Eltern gleich gar nicht!
      Es gibt durchaus geschlechtslose Menschen.
      „Kinder sind nun mal nicht gleich und haben auch ihren eigenen Charakter“ – da bin ich zu 100% bei dir. Nur was das mit ihren Genitalien zu tun haben soll verstehe ich nicht ;)

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      1. Natürlich hat der Charakter mit dem Geschlecht zu tun. Das Geschlecht ist essentiell für die Identität und es ist wichtig, dass sich das Kind gut mit seinem Geschlecht identifizieren kann. Kleine Jungs in Kleider zu zwingen ist einfach respektlos (und es sieht echt affig aus).

        Wirklich geschlechtslose Menschen sind sehr selten. Irgendwas ist meist immer zwischen den Beinen. Und man kann immer noch die Chromosomen anschauen, wenn es nicht eindeutig ist, da klären sich nochmal einige Fälle. Und bei denen, die dann übrig bleiben, kann man schauen, wie sie sich verhalten und ihnen dann helfen, ihre Rolle zu finden.

        Polyamorie bzw. die Wahl einer respektvollen Beziehungsform ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Erziehung. Ich würde jedenfalls alles dafür geben, meine Kinder monogam zu erziehen und ihrem Partner mit Respekt zu begegnen.

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      2. Da ich auf Lou nicht direkt antworten kann, halt auf gleicher Ebene.

        Also. Erstmal werden hier diverse Dinge vermischt.

        Punkt 1: „Polyamorie bzw. die Wahl einer respektvollen Beziehungsform ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Erziehung. Ich würde jedenfalls alles dafür geben, meine Kinder monogam zu erziehen und ihrem Partner mit Respekt zu begegnen.“
        Der Satz impliziert, dass Polyamorie keine respektvolle Beziehungsform ist und zeigt sehr deutlich, dass nicht verstanden wurde, was Polyamorie ist. (http://www.soulutions.at/wp-content/uploads/2012/02/1_2013_Herbert_et_al_Polyamorie.pdf) Eine Beziehung ist nur dann respektvoll (und das gilt für monogame Beziehungen natürlich auch), wenn alle Beteiligten über alle Aspekte der Beziehung informiert und damit einverstanden sind. Sei das nun die Polybeziehung, bei der eine Person mehrere Partner hat, die nicht ebenfalls miteinander in einer Beziehung sind, sei das die Polybeziehung, bei der mehrere Personen alle miteinander eine Beziehung haben, sei das die monogame Beziehung, bei der sich beide gegen jegliche romantische und sexuelle Kontakte außerhalb ihrer Beziehung entschieden haben oder sei es eine offene Beziehung, wo einer oder beide oder alle auch außerhalb der romantischen Beziehung sexuelle Kontakte haben.
        Solange ALLE wissen, was wer wo wie und auch damit einverstanden sind, ist das respektvoll. „Seinem Partner mit Respekt begegnen“ ist eine Grundvoraussetzung JEDER Art von Beziehung und hat mit monogam leben gar nichts zu tun.

        Zum Thema Geschlechtslosigkeit und der Chromosomen.
        Erstens: Ja, Geschlechtslosigkeit ist selten. Aber lieber unterstütze ich ein Kind von Anfang an in ALLEN Möglichkeiten, als nachher einen gebrochenen Erwachsenen zu versuchen, vom Selbstmord abzubringen und nein, das ist nicht überdramatisch.
        Zweitens: Geschlechtsidentität hat original GAR nichts mit Chromosomen zu tun und hierfür muss man noch nichtmal in die Intersexualität (die häufiger ist als man gemeinhin denkt) gehen, sondern sich nur mal mit Transgender/Transsexualität auseinandersetzen. Wir reden hier von bis zu 5% der Bevölkerung (http://ai.eecs.umich.edu/people/conway/TS/TSprevalence.html), das sind allein in Deutschland 4 Mio Menschen. Da kann man nicht mehr von „sehr selten“ reden.
        Tipp: sich mal mit dem Thema biologisches vs. soziales Geschlecht auseinandersetzen. https://scholar.google.de/scholar?q=biologisches+geschlecht+soziales+geschlecht&hl=de&as_sdt=0&as_vis=1&oi=scholart&sa=X&ved=0ahUKEwiu6vzvpZ7SAhWJQJoKHSL2AOwQgQMIGDAA

        Auch guter Überblick mit viiiiielen vielen Links: http://hellyeahagender.tumblr.com/post/157335315138/trans-resources-please-signal-boost

        Dann hat sich das Theme „der Charakter hat mit dem Geschlecht zu tun“ nämlich einfach mal ganz fix erledigt.
        Im ÜBRIGEN. Niemand sprach von „kleine Jungs in Kleider zwingen“. Hier: http://elveny.tumblr.com/post/157184097835/spacemonsterart-randomgirlpassingthrough

        By the way: Es geht bei diesen Themen um das potentielle Glück, Selbstverständnis und Leben deiner Kinder. Dein persönliches Unbehagen hat hier nichts zu suchen.

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      3. Ich bin nicht blöd, du musst mich nicht belehren, Julie. Ich kenne alle diese Theorien (bewiesen ist dabei noch längst nicht alles), bisher haben sie mich nicht überzeugt.

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      4. Lou, worauf basiert denn deine Meinung? Kannst du deine Ansichten irgendwie stützen„?
        Wieso sehen Kleider an kleinen Jungen affig aus, aber nicht an kleinen Mädchen? Ist das nicht Geschmackssache? Ich finde Leo-Prints auch echt häßlich, trotzdem darf die wegen mir jede*r tragen und auch seine Kinder damit einkleiden.

        Du definierst Geschlecht also als „das zwischen den Beinen“?

        Aber im Grunde hat Julie schon zusammengetragen was ich sagen würde.

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  18. Es macht für mich aber den Eindruck, dass du sexuelle Orientierung und allgem. Verhalten usw. in einen Topf wirfst. Auch der von dir angegebene Artikel konzentriert sich auf Prägungen hinsichtlich Verhalten und nicht sexueller Orientierung. Das sind auch zwei völlig unterschiedliche Dinge. Vorlieben, Talente, Eignungen, Kleidung…das hat alles primär nichts damit zu tun wie Mensch sexuel tickt. Obwohl natürlich die Sexualität auch in diese Bereiche ausstrahlt.
    Freie Entwicklung ist sowieso nur bis zu einem gewissen Gerad realistisch. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen. Er lebt in Gruppen und schafft in diesen große Dinge. Wenn er dann sich nicht Gruppenkonform verhält gehört er einfach nicht dazu. Das sollte jeder auch selbst entscheiden und die Erziehung zum bunten Vogel ist auch Einflussname.
    Aber es ist trotzdem ein interessanter Beitrag und schade, dass man sich nicht mal bei einem Glas Wein ;)

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    1. Kannst du mir sagen, an welchen Stellen du den Eindruck hattest? Denn das ist etwas was ich nicht suggerieren möchte.

      Es geht hier ja auch nicht nur um die Sexualität sondern um die Zuschreibungen die auf Grund eines (angenommenen) Geschlechts gemacht werden – daher die Verhaltensaspekte, vermute ich. Vielleicht kommt daher dein Eindruck und ich muss das etwas klarer trennen – wo ich über sexuelle Orientierung und wo ich über Geschlecht spreche.

      „Sich nicht gruppenkonform verhalten“ finde ich in eineigen Punkten essentiell wichtig – zB bei Genderstereotypen. Ich glaube kaum, dass wir eine gleichberechtigte Gesellschaft erreichen, wenn wir nicht dafür kämpfen, dass die Grundsteine für Gleichberechtigung gelegt werden.

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      1. Schon die Überschrift ;)

        Gleichberechtigte Gesellschaft haben wir doch. Das ist doch gesetzlich so vorgeschrieben. Gefühlt gerecht läuft nur nicht alles. Das hat doch dieses System auch nicht als Anspruch. Aber rein aufs Geschlecht (biologisch oder gefühlt) bezogen gibt es keine systematische Benachteiligung. Entscheidungen haben Konsequenzen, das betrift aber jeden.

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  19. Ich habe es echt geschafft die vielen, vielen Wörter am Stück zu lesen. Aber es ging schon Recht flüssig voran.
    Ich möchte dir auf jeden Fall Mal danken! Ich finde deinen Standpunkt recht gut. Ich erwische mich selbst oft, beim kaufen von Kleidung, beim denken „Ist das nicht zu mädchenhaft?“, obwohl ich selbst, gegen Schubladen bin. Ich möchte tolerant sein und meinem Sohn jegliche Möglichkeiten geben, sich frei zu entfalten. Vor nicht allzu langer Zeit wurde mein Sohn von Erwachsenen und Kindern gemobbt, da er eine rosa Babyborn mit sich trug und dazu einen Puppenbuggy. Dabei ist er doch auch erst 2,5 Jahre! Die Gesellschaft hat noch sehr großen Einfluss auf uns alle und die, die ausbrechen haben oft mit großen Steinen auf dem Weg zu kämpfen. Ich bin selber Bi sexuell und kann mich super an mein Outing erinnern. In der Schule gemobbt und zu Hause gedchlagen. Das soll mein Sohn nicht erleben, zumindest den Teil, den wir als Eltern beeinflussen können! Doch trotz aller Stärke, drückt die Gesellschaft immer mehr. Wir möchten es so gut wie möglich schaffen, ihn frei zu erziehen und es bleibt nur die Hoffnung, dass noch mehr von dem strengen Weg abkommen und zeigen, dass es nicht schlimm ist. Dass es einfach nur Liebe ist, die wir nicht beeinträchtigen können und nicht sollten !
    Ganz lieber Gruß!
    PS: Mein Mann ist totaler Hello Kitty und My little Pony (FIM) Fan 😂. Ich vom letzteren auch ein wenig.

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    1. Du ich merke das auch immer und immer wieder -zB denke ich bei Personen die ich als Frauen lese total oft „Ach wenn sie nur lächeln würde, dann wäre sie viel hübscher!“ und allein schon der Gedanke nervt mich, weil ich ja weiß wie mich solche Kommentare selbst nerven – und dass „schön sein“ nun wirklich nicht mein höchstes Ziel ist.
      Mein Mann steht auch total auf MLP und hat das Kleinkind schon infiziert (und mich auch ein bisschen).

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  20. Du verneinst angebohrene Unterschiede, sexuelle Ausrichtung „erworben“ anerzogen“ also wird ein Mensch zur Homosexualität erzogen ? Das ist ja Wasser auf die Mühlen der Diskriminierung

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    1. Hmmm ich grübele gerade welchen Beitrag du gelesen hast.
      Es geht um die „als ob“ Erziehung. Erziehung ALS OB ein Kind hetero und cis wäre.
      Und ich verneine nicht angeborene Unterschiede, sondern spezifische angeborene Unterschiede, die dann auch noch definierend für zB Verhalten sein sollen.

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