Alles so anders wie immer

Die Frau mit der tollen Stimme (ernsthaft, guckt ihre Videos auf YouTube!) aka Frida Mercury von 2kindchaos hat zu einer Blogparade aufgerufen. Thema: „Wie ich mich mit Kind verändert habe“. Gutes Thema, denn ich bin inzwischen doch sehr anders ich aber immer noch sehr ich.

Ich bin gesetzter geworden.

Das fing schon ein bisschen vor den Kindern an, aber im Hinblick auf Kinder. Genau genommen als ich mich von meinem Ex trennte unter anderem weil ich feststellte, dass ich zwar Kinder wollte und zwar bald, aber nicht wirklich mit ihm. Da habe ich mir mehr Gedanken gemacht was ich eigentlich will und warum. Ich habe einen Job bekommen, als Community Managerin in der Gaming Branche für ein großes F2P MMORPG (kostenlos spielbares Online-Rollenspiel für viele Spieler). Ich habe dann auch mein erstes Studium abgebrochen (Germanistik und Philosophie mit den Schwerpunkten Mediävistik & Sprachphilosophie) und angefangen etwas ganz „Handfestes“ nebenberuflich zu studieren: International Management. Hätte ich meinem Teenie-Ich erzählen können, dass ich jemals unter die Wirtschaftsleute gehe, mein Teenie-Ich hätte mich wohl erschlagen. Mein Teenie-Ich war nämlich sehr links mit radikalen Tendenzen, sehr wenig kapitalistisch, sehr Gothpunkig und fand BWLer & Konsorten ungefähr so schlimm wie Musik von Scooter.

Ich bin zwar immer noch links, verstehe jetzt aber den Kapitalismus besser, trage immer noch schwarz höre aber mehr Metal und mag BWLer immer noch nicht so gern ;) Dass ich jetzt mit meinem Ehe(!)Mann(!) in einem Einfamilienhaus am Stadtrand wohne, zwei Kinder und drei Katzen habe und mir wünsche, nach Studium & Elternzeit einen Arbeitsplatz im Personalwesen zu finden, das hätte mir früher mit Sicherheit keiner weis machen können. Aber meine herzallerliebste weltbeste Freundin aus eben jenen Teenie-Tagen sagt: „Doch, das passt zu dir.“

Vielleicht bin ich auch einfach nur erwachsen geworden. Aber ich bin immer noch überrascht wenn Ärzte & Co jünger sind als ich. Also wahrscheinlich brauche ich noch ein paar Jahre bis ich überrissen habe, dass ich schon groß bin.

Ich schreibe wieder.

Früher wollte ich immer Schriftstellerin werden. Ich habe jahrelang engagiert in Wettbewerben mitgemacht, hier und da mal einen kleinen gewonnen. Dann ist das Schreiben in mir irgendwie erstickt, wie ein ungefüttertes Feuer. Jetzt, allmählich, beginne ich wieder damit und dieser Blog ist ein Teil davon. Ich schreibe weder sonderlich viel noch auf sonderlich hohem Niveau, aber ich schreibe wieder. Ein anderer Teil ist meine RP-Gruppe für die ich kreativ bin, schreibe. Ich schreibe auch gelegentlich ein paar Geschichten vor mich hin, in der Regel ohne sie zu veröffentlichen. Eine Ausnahme ist da die Geschichte „Die Seekuh und die traurige Buche“ die hier kürzlich von mir gepostet wurde. Ich schreibe diesen Blog nicht um Geld zu verdienen, nicht um viele Leser zu erreichen, nicht für virtuelle Streicheleinheiten sondern einfach nur um mich selbst mal wieder zum Schreiben zu bringen. Wenn es jemand liest freue ich mich, wenn es jemand kommentiert noch mehr. Aber ich bin ziemlich ambitionslos was alles über das Schreiben Hinausgehende angeht. Ich habe keine Zielvorgaben die ich für irgendwen erreichen muss außer für mich eben diese: wieder mehr zu schreiben, flüssiger zu werden.

Ich akzeptiere mich.

Ich bin kein sonderlich einfacher Mensch. Ich bin sehr introvertiert, Menschen überfordern mich oft. Gerüche, Stimmen, Farben und dann noch einen Gespräch folgen? Nein, ich schreibe lieber mit Menschen, das Internet ist ein Segen für mich. Telefonieren ist für mich eine Qual (es sei denn mit sehr engen Vertrauten) und ich ziehe Bücher einem „geselligen Abend“ vor. Vermutlich würde mich die engagierte Blogmutter von heute irgendwo bei den Hochsensiblen einsortieren, eine Esoterik-Schwurblige nannte mich mal Indigo-Kind, ich hab das früher mal gegoogelt aber ich find alles nicht so passend für mich. Laut den 16 personalities bin ich INTJ-A, damit kann ich schon mehr anfangen, das passt ganz gut (Test und Ergebnis empfehle ich auf Englisch anzusehen, wenn möglich).

intj-a

Ich bin übrigens kein Stück schüchtern, das wird ja oft mit Introvertiertheit verwechselt. Ich bin eine Klugscheißerin, ungeduldig und stelle oft Verbindungen her, die andere nicht sehen und bin dann genervt wenn ich erst aus allen möglichen Richtungen erklären muss bis mein Gegenüber versteht oder noch schlimmer: abwinkt weil si*er nicht verstehen will (oder kann). Achja ich bin ungeduldig, hatte ich erwähnt, nech? Lustigerweise stehe ich trotz meiner Introvertiertheit ganz gerne auf Bühnen, ich habe absolut keine Probleme damit wenn ich vor Menschen reden soll, sondern nur wenn ich mit ihnen reden soll. Je mehr desto schlimmer. Ich bin mit mir nicht immer klar gekommen, aus diversen Gründen, die ich hier gar nicht erörtern möchte. Aber inzwischen bin ich ziemlich bei mir angekommen. Mittlerweile gibt es sogar Menschen die mich selbst in Gruppen nicht oder nur wenig überfordern (meine „Rückbildungsmamis“, meine ganz supertollen Kommilitonen und natürlich meine RP-Gruppe) und nach denen ich nicht meine Ruhe brauche um wieder zu Kräften zu kommen. Klar hab ich noch Baustellen, aber die hat wohl jede*r.

Ich bin emotionaler.

Generell bin ich ein eher pragmatischer Mensch, verlasse mich gern auf Fakten und mein Wissen, welches ich im Zweifel lieber erweitere als mal eben eine Entscheidung „aus dem Bauch“ heraus zu treffen. Ich analysiere und überdenke gern (siehe oben) und finde es anstrengend wenn stereotype Frauen und nicht-stereotype Männer & alle dazwischen und daneben die halt emotional sind, wegen jedem Kleinscheiß aus der Fassung geraten. Mein Mann ist da sehr ähnlich, so dass wir in fast sechs Jahren Beziehung tatsächlich nie ernstzunehmend gestritten haben. Wir diskutieren Dinge sachlich aus und treffen eine Einigung. Im Zweifel hab ich recht und er seine Ruhe ;) Meist sind wir uns aber einfach von vornherein einig. Jeder hat so seine Wissenshoheitsgebiete und wir können uns darauf verlassen, dass der andere sich detailliertes Wissen aus verlässlichen Quellen aneignet wann immer nötig.

Dass ich mit dem Kleinkind keine sachlichen Diskussionen führen kann um Vor- und Nachteile des Anziehens (z.B.) zu erörtern ist dann aber sowas, was mich aus der Fassung bringt. Ich kompensiere das, indem ich mir möglichst viel Wissen über kindliche Entwicklung anlese und für mich die Situation analysiere. Das hilft oft, aber nicht immer. Aber ich gebe mir Mühe.

Aber vor allem: Ich heule wenn ich von toten Kindern, Fehlgeburten und vermissten Tieren lese! Völlig absurd für mich, aber ist jetzt halt so. Hormone sind was komisches. Es ist nicht so, dass ich vorher kein Mitgefühl hatte, sondern eher so, dass ich jetzt ein eigenes Gefühl entwickle statt ein fremdes nachzuvollziehen. Irritiert mich etwas.

Ich bin gesundheitsbewusster.

Ich habe zum Beispiel Beckenboden. Jawohlja! Nein, natürlich hatte ich auch vor den Kindern schon einen Beckenboden, aber wie wohl die meisten weiblichen Menschen ohne Kinder war ich mir dessen nicht so sonderlich bewusst. Ich wusste der ist da, ich habe ihn sogar früher schon trainiert. Aber wie mitgenommen so ein Beckenboden nach mehreren Schwangerschaften und zwei Geburten ist, das weiß man erst, wenn man zwei Kaffee getrunken hat, seit drei Stunden nicht auf der Toilette war, das Kleinkind auf dem Arm einegschlafen ist und das Baby auf einem drauf liegt aber nur dann nicht weint, wenn man permanent auf und ab wippt. Im Ernst: pflückt Blümchen! Spannt an (zu Freude von Partner*in/euch selbst auch gern beim Sex)! Lasst das Ding bloß nicht durchhängen!

Ich mache inzwischen sogar Sport, freiwillig! Und es macht mir Spaß! Ich mache Kangatraining. Wir gehen jeden Abend spazieren. Und demnächst werde ich wohl auch wieder Shred machen weil mir das tatsächlich gefällt.

Ich ernähre mich auch bewusster und esse die Tafel Schokolade jetzt in dem Wissen, dass es gesündere Alternativen gibt die mir nicht so gut schmecken.

 

Natürlich habe ich mich noch in anderen Aspekten verändert. Aber das waren die, die mir am meisten aufgefallen sind. Jetzt hoffe ich darauf, dass mein Mann es mir bei Gelegenheit gleich tut und mal erzählt, wie er sich so verändert hat (lieber Mann, wenn du bis hier gelesen hast: tausche deinen Text zum Thema gegen Kuchen nach Wunsch + Rückenmassage!).

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

6 Kommentare zu „Alles so anders wie immer“

    1. Ohweh. Ich habe mir angewöhnt wirklich jeden Tag bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Beckenboden anzuspannen. Beim Stehen an der Ampel, an der Spüle, in der Dusche,… Radfahren soll auch gut sein für ihn. Nicht dass du irgendwann deine Eier schaukeln kannst, wenn das alles hängt wie Hoden :D

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