Die Seekuh und die traurige Buche

Eine Geschichte für Das Nuf, geschrieben von Zesyra und vorgelesen von Erdbeerlila

Advertisements

Update, 16.03.2017

Die zauberhafte Tamara von Erdbeerlila hat für euch „Die Seekuh und die traurige Buche“ vorgelesen! Ich freue mich so sehr, dass sie ihre schöne Stimme für diese Geschichte ausgeliehen hat. Ohren auf!

Auf Instagram hat Das Nuf (> Blog vom Nuf <) ein Bild gepostet und um eine Geschichte gebeten:
Das Nuf: Seekuh in Hänge-Buche
Darum habe ich mal wieder geschrieben. Also nicht irgendeinen Blogpost, sondern eine Geschichte. Vielleicht feile ich bei Gelegenheit nochmal daran. Danke für die Inspiration!

Die Seekuh und die traurige Buche

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, eine Seekuh die im Beringmeer lebte. Sie war so lang wie Mama, Papa, meine Freunde Mia, Noah und ich zusammen und wog so viel wie ein kleiner LKW! Aber als sie lebte, da gab es mich und Mia und Noah und Mama und Papa und sogar meine Omas noch nicht. Da gab es noch nicht mal LKWs, sagt Mama.

Auf jeden Fall war die Seekuh ziemlich allein. Sie schwamm den lieben langen Tag im Meer. Ich darf das nur, wenn Ferien sind und auch dann nicht den ganzen Tag. Papa sagt, das ist zu kalt. Die Seekuh hatte nämlich ganz dicke, braune Haut. Die habe ich leider nicht.

Eines Tages hörte die Seekuh ein seltsames Geräusch. Es klang vom Ufer her wie ein fernes, leises Weinen. Die Seekuh schwamm darauf zu. Am Ufer sah sie nichts außer einem großen Baum. Er hatte eine dicke, graubraune Rinde ganz wie die Seekuh. Das Weinen war jetzt lauter. Die Seekuh wunderte sich. Die eiförmigen Blätter des Baumes bewegten sich im Wind. „Weinst du, Baum?“ wollte die Seekuh wissen.

Die Blätter bebten als ginge ein Schluchzen durch den Baum. „Warum weinst du denn, schöner Baum? Deine Äste reichen so hoch in den Himmel, deine Blätter sind wundervoll grün und der Wind streichelt dich jeden Tag!“

Fast wie Tränen sahen die Blätter aus, als ein neuerliches Beben durch den Baum ging. „Ach“, sagte die Seekuh und sah sich am Ufer um. „Ach, du bist allein!“. Jetzt sah es aus, als würde der Baum ein wenig nicken.

„Ich bin auch allein“ sagte die Seekuh da. „Aber ich kann nicht bei dir sein, ich brauche das Wasser. Ich kann nicht einmal an Land kommen, um dich zu umarmen.“

Der Baum reckte seine Äste nach der Seekuh, als wolle er sie trösten, doch er erreichte sie nicht.

„Oh, das wäre wundervoll, wenn wir zwei zusammen sein könnten.“ träumte die Seekuh. „Ich bin die letzte meiner Art und du scheinst nicht wirklich hierher zu gehören, so allein wie du bist. Wenn wir uns doch nur zusammentun könnten.“ Sie blickte auf das große weite Meer, das ihre Heimat war und wusste doch, dass sie allein hier nicht glücklich werden würde.

Der Baum bog seine Äste weiter hinab und weiter. Die Seekuh blickte den Baum nachdenklich an. „Ja, wenn du dich noch ein wenig reckst, dann kannst du mich umarmen und wir können beieinander sein“ sagte sie.

Es wurde Nacht und es wurde Tag und es wurde wieder Nacht und immer so weiter. Die Seekuh harrte nah am Ufer aus und schwamm nur kurz fort, um Nahrung zu sammeln. Der Baum und auch die Seekuh wurden älter. Mit den Tagen und Nächten gingen Jahre ins Land, aber ganz allmählich reichten die Äste des Baumes immer näher an den Meeresspiegel heran.

Eines Morgens wachte die Seekuh auf und wusste, dass sie nicht mehr aufs Meer hinausschwimmen konnte und ihre Zeit gekommen war.

„Lieber Baum, es ist jetzt Zeit für mich zu gehen.“ sagte sie. „Ich wünschte nur, ich hätte dich einmal umarmen können.“

Da reckte und streckte der Baum sich ein letztes Mal und just in dem Moment als die Seekuh ihre Augen für immer schloss, erreichten seine Äste und Zweige sie. Und als die Seekuh dies spürte, tat sie ihren letzten Atemzug in der Umarmung des Baumes.

Heute glauben die Leute, dass die letzte stellersche Seekuh von Seefahrern gegessen worden sei, aber ich weiß es besser. Allerdings brachten die Seefahrer einen Ableger des schönen Baumes den sie an einem Ufer sahen mit nach Europa. Sie nannten ihn Hänge-Buche. Diese wächst heute in Parks und auf Friedhöfen. Und manchmal, wenn man ganz genau hinsieht, kann man in der einen oder anderen Hänge-Buche das Gesicht einer Seekuh entdecken. Wenn du das nächste Mal eine Hänge-Buche siehst, nimm ein Blatt von ihr mit, wenn du zum Meer fährst und lass es auf dem Wasser schwimmen.

Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

3 Kommentare zu „Die Seekuh und die traurige Buche“

Dein Senf dazu:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s