Die fehlende und die anstehende Geburt

Hier war es sehr lange sehr ruhig und es ist einiges passiert.

Nach unserer Hochzeit im Mai war ich wieder schwanger, doch im Juli verlor ich das Kind in der zehnten Woche. Dazu bei Gelegenheit mehr. Nach der Ausschabung habe ich hier nicht mehr geschrieben.

Ich wurde schnell erneut schwanger und wir sind in ein Haus gezogen. Und jetzt? Ich bin in der 29ten Woche und freue mich auf eine geplante Hausgeburt Mitte/Ende Mai, bei einer ganz wundervollen herzlichen Hebamme die ich sofort beim ersten Treffen ins Herz geschlossen habe.

Die neue Schwangerschaft startete sehr schwierig, mit Blutungen welche ich fälschlicherweise (und recht enttäuscht) für eine verfrühte Periode hielt. Nach 6 Tagen hörte die Blutung auf und mir war schwindelig. So sehr, dass ich beschloss zum Arzt zu gehen. Da der mich ohnehin gefragt hätte ob ich schwanger bin, machte ich einen Test. Und dann noch einen. Beide waren überdeutlich positiv – und ich am Verzweifeln, denn nach der Fehlgeburt ging ich davon aus, dass die Blutung eine erneute Fehlgeburt bedeutete.

Zu allem Übel war meine Frauenärztin gerade nicht da. Ich fuhr also zu der nächstbesten Frauenärztin die mich so spontan einschieben konnte und bin an die vermutlich unsensibelste Person aller Zeiten geraten. Schon vor der Untersuchung meinte sie, dass es wahrscheinlich wieder eine Fehlgeburt gewesen sei. Bei der Untersuchung meinte sie entweder Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft, auf jeden Fall kein Kind, die Gebärmutterschleimhaut sei nicht aufgebaut, da könne nichts sein. In der Woche stieg mein HCG kontinuierlich weiter, so dass sie von der Fehlgeburtstheorie abrückte und mir sagte, ich solle bei den geringsten Anzeichen von Bauchweh ins Krankenhaus und mir erklärte wie eine Eileiterschwangerschaft verläuft.

Am Sonntag hatte ich dann tatsächlich Bauchschmerzen und mir war schrecklich schwindelig. Also sind wir ins Krankenhaus gefahren. Der Gynäkologe dort war toll! Er war super gelassen und meinte er würde da erstmal ganz neutral sein, Eileiter- oder Bauchraumschwangerschaften seien selten und er würde auf dem Ultraschall in der Gebärmutter etwas sehen, was eventuell ein Kind werden könnte, nicht aber in Eileitern oder Bauchraum. Und tatsächlich: am Dienstag danach war die Kindsanlage zu sehen. Die Ärztin wurde deswegen aber nicht sensibler und meinte, da unser Umzug am nächsten Tag bevor stand, ich solle sie auf dem Laufenden halten, es würde sie ja interessieren ob „da noch was drauß wird“, sie würde es ja nicht so glauben.

Übrigens: normalerweise würde ich keiner Frau raten in diesem frühen Stadium zu einer gynäkologischen Untersuchung zu gehen, wenn nicht wichtige Gründe dafür sprechen. Ich habe inzwischen von so vielen Frauen gehört die erst so spät darstellbare Kindsanlagen im Ultraschall hatten und viele Ärzt*innen machen auch keine Termine vor der 8ten Woche.

Ich jedenfalls suchte sofort nach einer Hebamme die Hausgeburten betreut. Positiv denken und so. Ich fand eine wirklich liebe sympathische tolle Frau, die mich durch die Schwangerschaft begleiten sollte. Sicherheitshalber suchte ich mir an unserem neuen Wohnort auch einen Frauenarzt zu dem ich dann in der 11ten Woche auch ging um die Schwangerschaft einmal zu bestätigen (auch wenn ich mich durchaus schwanger fühlte und bereits in keine Hose mehr passte). Es war ein Donnerstag und wir konnten unser kleines überaus lebendiges Krümelchen auf dem Ultraschall sehen. Alles sah gut aus.

Am Sonntag danach traf ich mich mit meine Pen&Paper Rollenspielgruppe bei uns. Es war ein toller Tag und als ich auf Toilette musste, nachdem gegen 21 Uhr alle gegangen waren, habe ich mir nichts gedacht. Auf dem Weg zur Toilette dachte ich dann, ich hätte in die Hose gepinkelt, fragte mich wie das sein könnte da mein Beckenboden eigentlich gut in Schuss ist und beeilte mich umso mehr. Als ich im Bad die Strumpfhose herunterzog war auf einmal alles voller Blut. Es war auf dem Boden, kam in Schwällen weiter aus mir heraus als ich auf der Toilette saß und ich habe glaube ich noch nie so sehr vor Schreck geschrieen. Für mich war in dem Moment klar, dass es vorbei sein muss und ich traute mich nicht aufzustehen aus Angst das winzige Krümelchen in der Toilette vorzufinden.

Der Sartograph rief den Rettungsdienst und hielt das sehr irritierte Schnurpselchen auf dem Arm während ich heulend und blutend auf der Toilette saß. Die Rettungssanis waren unglaublich lieb aber man konnte ihnen ansehen, dass sie auch nicht daran glaubten, dass das Kind noch lebt. Sie brachten mich erst einmal in eine liegende Position und fuhren mich dann in ein nahegelegenes Krankenhaus, unterwegs wurde ich noch ein bisschen mit Sauerstoff versorgt und hab die Fragen des Sanitäters beantwortet. Mein Schwiegervater traf gerade ein als ich aus dem Haus getragen wurde. Er fuhr mit Schnurpsel und Sartograph hinterher. Im Krankenhaus stieß dann auch die liebe „Tante P.“ zu uns, meine beste Freundin hier in Berlin und eine von Schnurpsels Patentanten. Sie und der Sartograph und das Schnurpsel hielten bei mir Händchen während wir eine kleine Ewigkeit darauf warteten, dass die Gyn aus dem Kreissaal raus kommt um mich zu untersuchen. Eine sehr liebe Schwester kümmerte sich um uns aber auch sie hatte nicht so super viel Hoffnung.

Im Grunde genommen habe ich ja schon gespoilert: Das Krümelchen winkte uns auf dem Ultraschall dann fröhlich zu. Es war da, am Leben und putzmunter. Die nächsten drei Tage verbrachte ich liegend im Krankenhaus mit Blutungen die sich nur allmählich von Wochenbett- auf Regelstärke reduzierten. Was genau los war wusste ich nicht und es fand sich bedauerlicherweise auch kein Arzt für eine Untersuchung, so dass ich um mein Bauchbaby bangte, mein großes Baby vermisste und mir die Brüste weh taten, weil ich weniger stillte als gewohnt. Das war nämlich dann auch gleich die erste, sehr rabiate, Trennung vom Schnurpsel, die Schnurpsel und Papa aber vorbildlich gemeistert haben (ich nicht so, ich hab mein süßes großes Baby und den Papa vermisst, aber mit Blutungen im Krankenhaus zu liegen ist auch nicht gerade eine entspannte Trennungssituation).

Ich hatte bis Mitte Dezember dann immer wieder mal mehr mal weniger starke Blutungen, die im Übrigen, wie sich bei der Abschlussuntersuchung zeigte, von zwei Hämatomen herrührten, wovon eines direkt über dem inneren Muttermund lag. Ich sollte überwiegend liegen und mich schonen und bekam eine Haushaltshilfe für 8h täglich verschrieben, die mir meine Krankenkasse zum Glück auch bewilligte. Mit meinem Frauenarzt bin ich auch sehr zufrieden, auch weil er sich nicht wie viele andere Ärzte komplett gegen Hausgeburten ausspricht, sondern das durchaus unterstüzt, weil er um die Situation in den Krankenhäusern weiß.

Doch am 23.12 als ich zur Untersuchung war um zu gucken wie es den Hämatomen geht (und dem Baby natürlich ;) ), bemerkte er eine Auffälligkeit im Ultraschall, das Gehirn des Kindes sähe nicht ganz so okay aus und organisierte uns für den gleichen Tag noch einen Termin bei einem Feindiagnostiker. So kam es, dass wir am Tag vor Heiligabend bei einem Feindiagnostiker saßen, den ich eigentlich in der Schwangerschaft gar nicht eingeplant hatte (wir hatten auch keine Nackenfaltenmessung und selbstverständlich beharren wir auch bezüglich Geschlecht wieder auf unser Recht auf Nichtwissen.

Der Feindiagnostiker redete viel, von Trisomie 18 und 21 und von Kaiserschnitten weil alles andere für das Kind zu stressig sei. Vor Kaiserschnitten habe ich Angst. Ich finde die Vorstellung absolut gruselig, dass mir der Bauch aufgeschnitten und mein Kind entnommen wird. Und ich habe ganz ehrlich mehr Sorge, dass ich mit einem Kaiserschnitt-Kind nicht so gut klar käme, als dass ich mit einem Kind mit Besonderheiten nicht so gut klar kommen könnte. Und obwohl wir eigentlich sehr deutlich sagten, dass ein medizinisch induzierter Spätabort für uns keine Option ist, egal was das Kind hat, erwähnte er ihn doch mehr als einmal. Ich wurde auf Infektionen getestet denn nur wenn ich eine gehabt hätte, hätte man im Falle eines Falles etwas machen können, also außer die Schwangerschaft zu beenden. Als ich in am Ende fragte, wie hoch denn, wenn sich die Auffälligkeiten im Kontrollscreening in vier Wochen wiederholen würden, die Wahrscheinlichkeit auf eine Trisomie sei, sagte er: etwa 5%.

Die Wochen bis zum Kontrollultraschall waren dann trotzdem ziemlich doof. Denn man macht sich ja schon Sorgen, wie es dem Kind geht und gehen wird, wie und ob es groß werden wird. Und am meisten beschäftigt hat mich tatsächlich die Angst vor dem Kaiserschnitt. Die Vorstellung mein Kind nicht gebären zu können, sondern des Kindes über einen Bauchschnitt entledigt zu werden ist für mich einfach gruselig.

Im Kontrollultraschall gab es, von einer singulären Nabelschnurarterie abgesehen (die für sich genommen nix tragisches ist), keinerlei Auffälligkeiten. Und, viel besser: Die Hämatome sind weg! Ich darf jetzt allmählich wieder anfangen mich zu bewegen und kann vor allem auch das Schnurpsel wieder tragen – das habe ich schrecklich vermisst (und Schnurpsel auch). Noch kommt unsere gute Fee dreimal in der Woche für 4 Stunden, aber ich denke das wird bald vorbei sein und dann muss Schnurpsel akzeptieren, dass Mama nicht so toll toben kann mit der großen Kugel vorne dran wie „Dadi“.

Wir sehen jetzt also nach vorn in eine Zukunft zu viert und ich habe mich in der Zeit über die Unterstützung von ganz vielen tollen Leuten gefreut. Von den Rettungssanis und der Nachtschwester im Krankenhaus über N. die mir schon bei dem blutigen Schwangerschaftstest gut zuredete, Tante P., Tante N., meine Schulfreundin A. und meine Schwiegereltern bis hin zu der einen Dozentin die ich gar nicht kennen gelernt habe, die mir aber die Möglichkeit gegeben hat das Semester (wenn auch nicht gut) trotz des Liegens erfolgreich abzuschließen und meinen Kommilitonen, die mich mit Mitschriften versorgt haben. Und natürlich auch von meiner Hebi, meinem Frauenarzt, unserer Familienpflegerin und selbstredend dem Sartographen und Schnurpsel. Danke <3

Advertisements

Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

9 Kommentare zu „Die fehlende und die anstehende Geburt“

Dein Senf dazu:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s