Sexistische Kackscheiße im Kinderzimmer

Wir scherzen oft, dass „sexistische Kackscheiße“ vermutlich der erste Zweiwort-Satz unseres Kindes werden wird. Ausschließen können wir es nicht, denn sowohl ich als auch mein Mann äußern diese Kombination häufiger. Etwa beim Anblick von Werbung. Oder der Kinderabteilung eines Kaufhauses. Oder beim Lesen einiger Beiträge in meiner herzallerliebsten Eltern-Gruppe* auf Facebook.

Diese Gruppe hat als eine Regel eigentlich „Keine sexistische Kackscheiße“ – einer von vielen Gründen, weshalb ich diese Gruppe mag. Aber die sexistische Kackscheiße ist leider allgegenwärtig.

Da wird gefragt ob der blaue Ranzen mit den grünen Sternen drauf auch für einen Jungen okay wäre. Die Rezensionen auf der Website eines großen Online Händlers lauteten so häufig: „…für meine Tochter gekauft…“?**

Ob es auch Holz-Puzzle für kleine Mädchen gäbe, die meisten wären mit Autos oder Bauernhoftieren?**

Was man denn einem Mädchen zum ersten Geburtstag schenken könne, man selbst habe ja zwei Jungs gehabt?**

Ob die grüne Hose mit den rosa Nähten auch für einen Jungen okay sei?**

Dass man ein bestimmtes Geschirr sucht, es müsse auch nicht mit Rittern drauf sein, wie im Beispielbild, Hauptsache für Jungs.**

Bedauerlicherweise sind diese Fragen keine Einzelfälle die dann einfach mit dem altbekannten „Wie entscheide ich, ob ein Spielzeug für Jungen oder für Mädchen ist“? – Flowchart beantwortet werden.

Im Gegenteil, zahlreiche Eltern bestätigen, dass sie die rosa Nähte einem Jungen niemals anziehen würden und machen tolle Marketing-gerechte Vorschläge, was man einem Mädchen schenken könne.

Ich finde das auch deshalb so erschreckend, weil diese Eltern sich dann auch mal über Dinge beschweren die sexistischer-kackscheiß-Erziehung geschuldet sind. Etwa dass der (männliche) Partner sich im Haushalt nicht beteiligt und die Pflege der Kinder dem (weiblichen) Partner obliegt. Dass der Mann ja so wenig Rücksicht auf Emotionen nähme,… kurz und gut: all das was dabei rauskommt wenn man von frühester Kindheit an in das Schema einer gesellschaftlich anerkannten Geschlechterschablone gepresst wird.

Ich kann Verständnis dafür aufbringen, dass man einem Jungen keine rosa-Glizter-Kleidchen anziehen mag, wenn er diesen Wunsch nicht selbst äußert oder noch nicht äußern kann. Zuviel Spott und Häme sind für ein Kind nämlich mit Sicherheit noch schlechter als starre Geschlechterstereotypen. Wobei… einem „richtigen Jungen“ macht das ja nichts aus, oder?

Ich kann kein Verständnis dafür aufbringen, wenn das Kindergeschirr nach Geschlecht unterschieden wird. Wie soll das aussehen? Besonders griffige Henkel weil ja jeder weiß, dass kleine Jungs grobe große Hände haben und nicht so zart zupacken wie Mädchen? Keine Schmetterlinge drauf weil dann… ja was? Das Kind „verweichlicht“? Der Penis abfällt (Schmetterlinge sind ja bekannt für das Schniepelgift, das sie absondern)?

Kinder werden früh genug und an allzuvielen Ecken mit Geschlechterstereotypen konfrontiert. Wir müssen die nicht auch noch von uns aus ins Kinderzimmer tragen. Mädchen sind nicht automatisch kleine Prinzessinnen und Jungs keine kleinen Helden. Das ist Bullshit. Kinder sind vor allem das: Kinder. Manche laut, manche leise, manche zart, manche grob, manche umsorgend, manche erforschend, die meisten alles ein bisschen und unterschiedlich stark ausgeprägt. Und das hat zu 99,9% nichts damit zu tun ob sie mit Penis oder Vulvina zur Welt kamen. Sondern mit Charakter, Erziehung und vor allem gelebtem Vorbild.

*Ich liebe diese Gruppe. Wirklich. Sie ist toll. Sie macht vieles möglich. Aber toll sein schützt vor der rosa/blau-Falle nicht. Ich bin übrigens wegen der ebenso tollen Andrea Harmonika dorthin gekommen.

**Liebe Gruppenmitglieder, die ihr euch in diesen Beispielen wieder erkennt: Ihr seid auch toll. Ich mag nur die Aussagen nicht ;)

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

4 Kommentare zu „Sexistische Kackscheiße im Kinderzimmer“

    1. War es einer deiner Vorsätze einen solchen zu finden? ;) Übrigens, ich kann das „Planungssystem“ aus dem artgerecht-Planer empfehlen. Etwas besser als einfach nur to-do-Listen.

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