Du wirst nie wieder keine Mutter sein

Am Sonntag waren der Sartograph und ich bei der Besichtigung einer Eigentumswohnung. Die Wohnung war nichts, aber der Makler war sehr nett (ist ja auch sein Job) und total angetan vom Noob. Letzteres lag vorwiegend daran, dass er selbst in Kürze Vater werden würde, wie er stolz erzählte.

Irgendwie kamen wir darauf, dass er keine Zeit zu Hause eingeplant hatte, nach der Geburt. Sowohl Christoph als auch ich sagten fast unisono „Wenn Sie es einrichten können, machen Sie’s!“.

Insbesondere da, wie wir in Erfahrung brachten, sonst keine Familie in der Nähe lebt, welche die neue Mutter unterstützen könnte, rieten wir ihm dringend dazu mindestens die ersten zwei Wochen bei seiner Frau zu bleiben.

Mir ging es noch nach fünf Wochen manchmal ziemlich scheiße, was die Wundheilung betraf. Und da war ich schon wieder allein. Rückblickend sagt auch der Sartograph er wäre lieber zwei Monate zu Hause geblieben. Es ergab sich folgender Gesprächsverlauf:

Christoph: „Wenn Sie können, bleiben Sie zwei Monate zu Hause.“

Makler: „So lange?“

Ich: „Acht Wochen. So lange dauert das Wochenbett.“

Makler: „So lange dauert es bis meine Frau wieder die ist, die sie war?“

Ich: „Das dauert noch viel länger.“

Zu Hause kamen wir noch einmal auf dieses Gespräch zurück und der Sartograph sagte „Die Frau wird nie wieder keine Mutter sein.“

Ich bin doch noch ich?

Für mich ist dieses Mutter-Sein auch nach 8 Monaten noch schwer zu fassen. Klar, ich bin die Mutter des Noobs. Aber ich bin doch noch ich?

Ich habe mich bereits in der Schwangerschaft aber auch danach noch verändert. Ich bin aber nicht auf einmal ein komplett anderer Mensch. Nur in einigen Punkten anders.

Ich war früher nicht annähernd so emotional wie ich es inzwischen bin. Auch wenn ich noch weit entfernt vom Stereotyp der heterosexuellen cis-gender Mami bin. Aber ich weine öfter (d.h. im Schnitt sicher so 1mal im Monat), bin häufiger besorgt (ständig) aber ich lache auch öfter (viel öfter). Dem Sartographen ist es übrigens ähnlich ergangen. Er artikuliert sogar Gefühle. Wahnsinn.

Außerdem sind wir beide ganz dolle verliebt in das Schnurpselbaby und können uns stundenlang damit beschäftigen unser schlafendes Kind zu beobachten und zu sagen „Guck mal diese winzigen Finger. Diese Wimpern! Die Lippen! Ach und diese niedliche kleine Nase,..“

Ich weiß wofür ich jeden Tag aufstehe.

Aber auch wenn ich mehr besorgt bin, zweifle ich weniger. Egal an was. Ich weiß, dass ich das Studium schaffen werde, wir eine schöne Wohnung oder ein tolles Haus finden werden, die anstehende Hochzeit und Taufe gut organisiert ablaufen werden. Ich weiß aber auch wofür ich jeden Tag aufstehe, das war früher nicht immer so.

Ich habe meinen Körper im Ausnahmezustand erlebt, bei der Geburt. Ich habe einen Menschen zur Welt gebracht und das ist schon ein mittelgroßes Wunder, welches wir da vollbringen wenn wir gebären. Da kommt, nach 10 Monaten, ein unglaublich kleiner aber in seinen Anlagen vollständiger Mensch aus einem heraus, der atmet und trinkt, der anfängt zu lächeln und zu brabbeln, sich immer gezielter zu bewegen und der jetzt gerade sein fünftes Zähnchen bekommen hat.

Ich bin jetzt nicht besser oder schlechter.

Ich werde nie wieder keine Mutter sein. Egal was kommt, egal was passiert ich bin seit diesem Tag für den Rest meines Lebens die Mutter mindestens eines Menschen. Und damit bin ich eben nicht mehr die Frau die ich vorher war. Ich bin jetzt nicht besser oder schlechter. Nur eben – anders als vorher.

Also lieber Makler: Ihre Frau wird nie wieder wie vorher sein.

Wie hat euch das Eltern-Werden, das Eltern-Sein verändert?

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

2 Kommentare zu „Du wirst nie wieder keine Mutter sein“

  1. Ich glaube, das Eltersein hat mich nicht so sehr verändert. Das passte für mich ganz gut zu dem, wie ich mich vorher fand. Wobei, doch: Ich vertraue meinem Bauchgefühl viel schneller als vorher. Ansonsten würde ich sagen, mich hat das Drumherum beim Kinderhaben schon sehr verändert: Stress macht mich unfair. Der erzwungene Umgang mit gewissen Menschen (Ärzt_innen, Erzieher_innen, Pädagog_innen etc.) macht mir auch schwer zu schaffen. Früher hätte ich solche Menschen gemieden und für den Rest hätte ich halbwegs gewusst, was ehrlich gemeint ist und was nicht. Jetzt bin ich da viel unsicherer. Und ich bin viiiiiel öfter krank.

    Übrigens habe ich heute erst über eines Deiner älteren Blogs entdeckt, dass Du auch inzwischen Mama geworden bist :D Wie schön, wie fein!

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