„Du bist so schön entspannt.“ – Ich bin eine Glucke!

Mir wurde jetzt schon häufiger attestiert, dass ich eine enorm entspannte Mutter sei. Sogar von Seiten, von denen ich das nicht erwartet hätte. Seit das Kind da ist, sagte man mir außerdem bereits des Öfteren, dass ich ja schon immer recht entspannt gewesen sei.

Dass ich mit dem Baby so entspannt bin, liegt an drei Dingen: 1.) am Sartographen, 2.) am Noob selbst, 3.) daran, dass ich gar nicht entspannt bin.

Ich gehe die Punkte mal langsam durch:

1.) Der Sartograph ist toll. Das ist eines der unzähligen Dinge auf Grund derer ich ihn liebe. Wenn etwas erledigt werden muss und ich kann nicht, dann frage ich ihn und er macht es. Oder sagt „ist doch gar nicht wichtig“. Auch wenn es mir manchmal wichtig vorkommt. Oder er findet eine andere Lösung. Der Sartograph ist auch ein sehr gemütlicher und in der Tat ein entspannter Mensch. Und er hat eine schier endlose Geduld. Er kann auch schier endlose Erklärungen zu Dingen abgeben, die man sowieso weiß und zwar in der Regel besser als er. Aber das ist egal. Ich bin in seiner Gegenwart eine ruhigere Version meiner Selbst.

 

2.) Der Noob ist toll. Mein Baby ist superklasse. Es lässt sich in der Trage völlig entspannt überall mit hin nehmen. Es liegt gerne auf dem Boden herum und spielt.

Wenn es Hunger hat, sucht es und kriegt die Brust. Wenn es müde ist, quengelt es und kommt in die Trage oder an die Brust. Diesen Absatz zum Beispiel schreibe ich mit einem entspannt auf meinem Bauch schlummernden Baby. Nachdem es an der Brust war. Wenn es Pipi oder Kacka muss, strampelt es und wir bringen es zum Topf oder wechseln die Windel. Wenn es Schmerzen hat (zur Zeit kommt der erste Zahn), schreit es und wird getragen, besungen, getröstet. Wenn ihm langweilig ist, spielen wir gemeinsam, machen Faxen und schneiden Grimassen. Ich kann aber die Mütter verstehen, die ihr Baby manchmal doof finden (lest mehr bei Andrea Harmonika).
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3.) Ich bin toll. Aber ich bin nicht entspannt. Im Gegenteil, ich muss immer alles geplant und organisiert haben, sonst werde ich unausgeglichen. Wenn ich Sonntag Abend nicht weiß, was in der nächsten Woche auf mich zukommt, werde ich hibbelig (Dafür, bzw. dagegen habe ich mir dieses Jahr einen artgerecht-Planer zugelegt, empfehlenswert für die, die mir da ähneln).

Ich bin nicht spontan, ich bin ungeduldig und manchmal macht mich die Balu-der-Bär-artige Gemütlichkeit des Sartographen kirre. Zum Beispiel wenn wir raus gehen wollen und ich das Schnurpsel in die Trage packe, meine Stiefel und meinen Mantel anziehe und er es in der Zeit nicht einmal schafft sich den Schal umzulegen. Da würde ich ihm am liebsten in sein wohlgeformtes Hinterteil treten. Mache ich aber natürlich nicht. Stattdessen nörgele ich ein bisschen, dann kriege ich einen Kuss und dann gibt’s Familienkuscheln. Und danach lauf ich dann halt schon mal die Treppe runter und eine Runde vor dem Haus auf und ab, bis auch der Sartograph unten ist.
Wenn ich nicht weiß, was dem Noob fehlt, dann werde ich auch unruhig. Aber in der Regel hilft es mir, zum Beispiel zu gucken wohin der Noob guckt, dann weiß ich oft schon, was er will.

Ich bin furchtbar unentspannt, wenn es um das Kind geht. Nicht darum, bei meinem Kind zu sein, nicht darum für mein Kind da zu sein. Sondern, wenn es erforderlich wird, dass ich mich von dem Kind trenne. Demnächst werde ich mein Studium im nebenberuflichen Modell wieder aufnehmen. Das heißt, dass ich Freitag abends und Samstag vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag nicht bei meinem Kind sein kann. Und der Gedanke daran zerreißt mir das Herz. Ich fühle mich unvollständig, wenn der Noob nicht nah bei mir ist. „Glucke“ sagte mein Papa. Recht hat er.

Ja, ich bin eine Glucke. Jetzt gerade macht der Sartograph in der Küche Abendessen. Das Schnurpsel ist bei ihm. Ich kann die beiden hören und sehen. Trotzdem ist mein Instinkt, wenn das Kind auch nur ein bisschen meckert, aufzuspringen und mich zu kümmern. Obwohl ich weiß, dass der Sartograph das auch kann und macht. Die Vorstellung, mein Kind nicht in Sicht- und Hörweite zu haben, behagt mir nicht. Aber das wird schon. Der Sartograph und der Noob machen mit mir Uni-Eingewöhnung. Und irgendwann werden sie mich abholen kommen und ich werde weinen und sagen „Aber ich lerne doch gerade so schön!“

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

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