Nicht ohne meine Hebamme

Die Hebamme ist die wohl einzige Person die nach einem Blick auf meine Vagina attestieren darf, dass diese völlig reizlos sei. Denn natürlich geht es nicht um die Attraktivität meiner Vagina sondern um die Wundheilung meiner Geburtsverletzungen.

Als der Sartograph und ich uns dazu entschlossen, dass es jetzt an der Zeit sei, mal loszulegen, hatten wir im Kopf die Angabe, dass es im Schnitt 6 Monate dauert bis es klappt… Pustekuchen! 1,5 Monate nach dem Entschluss war ich schwanger. Und tauchte sicherheitshalber noch zwei weitere Teststäbchen in meinen Urin. „Ist das wirklich wahr?“ war mein Gedanke.

Geburt? - Nicht ohne Hebamme!Geburt? Bitte nicht ohne Hebammenbegleitung!

Meine Hebamme habe ich relativ früh in der Schwangerschaft „gefunden“ – ein Anruf beim Hebammenruf Berlin und wenig später rief mich eine freundlich klingende Frau zurück. Das ist leider nicht überall so. Als sie dann zum ersten Besuch kam, war mein erster Eindruck „Oh Gott, das ist eine dieser Ossi-Muttis“ (sprich: den Ärzten vollstes Vertrauen; so wie es vor 50 Jahren war, war es gut und Kinder kriegt man sauber indem man sie nach dem Einmachen unter die eiskalte Dusche hält – auch Wessis können Ossi-Muttis sein).

Wir waren kaum fünf Minuten im Gespräch, da hatte meine Meinung sich schon geändert. Ihr erster Satz war in etwa „Ich hoffe es stört Sie nicht, dass ich so alt bin. Dafür habe ich 20 Jahre Berufserfahrung.“ Das einzig „Rückständige“ an ihr war, dass sie mit dem Internet nichts zu tun haben wollte. Schnell bemerkte ich, wie viel Liebe sie in ihren Beruf steckt – und wie gut sie sich fortbildet. Egal welche Informationen sie mir gab, wenn ich sie googelte (und natürlich habe ich das getan, Berufskrankheit) stellte ich immer fest dass es das Neueste vom Neuen ist, auf wissenschaftlichen Studien basierend die meinem Laien-Verständnis nach empirisch gut begründet waren.

StillproblemeStillprobleme? Die Hebamme weiß Rat!

Meine Hebamme hat mich in Vor- und Nachsorge begleitet sowie den Geburtsvorbereitungskurs geleitet in dem ich war. Ich habe mit ihr über Dinge geredet über die man sonst nicht einmal nachdenkt. Sie wusste Antworten zu denen ich nicht einmal die Fragen formulieren konnte. Auch meine Rückbildungsgymnastik mache ich bei ihr.

Sie kennt mich, sie kennt mein Baby. Sie kennt die Narben die von der Geburt geblieben sind. Mit ihr konnte ich in Ruhe(!) Dinge rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett besprechen. Ja ich hatte auch eine Frauenärztin. Die war zwar ganz freundlich, aber sie und ich passten einfach nicht zusammen. Zeit hatte sie auch nicht so wirklich. Natürlich hat sie gefragt, ob ich noch Fragen hätte. Aber manchmal muss man erst auf die Fragen gebracht werden. Und das erreichte meine Hebamme im Gespräch mit mir hervorragend.

Wickeln Wie geht das mit dem Wickeln? Hebammen geben Starthilfe!

Außerdem haben mich noch andere Hebammen quasi begleitet: Jana vom Hebammenblog und Anja von „Von guten Eltern“ deren Blogs ich regelmäßig lese. Und da ich keine Beleghebamme hatte, haben mich auch bei der Geburt im Krankenhaus noch mehrere Hebammen betreut, von denen vor allem eine mir ganz toll im Gedächtnis geblieben ist, weil sie mir bei der Geburt Mut und Kraft gegeben hat, wenn ich beides nicht mehr hatte.

MessenEntwickelt sich mein Kind normal? Hebammen beruhigen!

Mein nächstes Kind würde ich am liebsten in einem Geburtshaus oder zu Hause bekommen. Doch ich weiß nicht, ob das möglich sein wird. Leider ist die Art der Hebammen vom Aussterben bedroht. Ein ganzer Berufszweig droht (in der Form in der wir ihn kennen) zu sterben. Und warum? Wegen des Geldes natürlich. Dagegen kann (und sollte) ein jeder etwas tun. Egal was. Tragt Buttons, malt Plakate, spendet, beteiligt euch an Online-Petitionen oder fragt einfach eure Hebamme ob sie irgendwie konkrete Hilfe benötigt oder einen Vorschlag hat. Gerade noch so läuft auch die Facebook-Aktion „zappenduster“.

Genaue Hintergrundinformationen haben andere bereits schon besser und detaillierter beschrieben als ich es könnte, daher hier eine Linksammlung.

Hebammen für Deutschland

Hebammenunterstützung

Hebammenverband – Landkarte der Unterversorgung

Hebammenverband – Aktionen

Das deutsche DRG System: die pauschale Geburt (gute Hintergrundinfos zum Thema: Warum eine normal verlaufende Geburt für Krankenhäuser unwirtschaftlich ist)

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

1 Kommentar zu „Nicht ohne meine Hebamme“

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