Von Wundertüten und wunden Tüten

Stillen ist toll.

Manchmal tut Stillen weh. Manchmal ist Stillen anstrengend. Manchmal ist Stillen nervig.

Aber Stillen ist immer auch toll.

Stillen gibt meinem Kind immer, was es gerade braucht (Nahrung, Geborgenheit, Ruhe,…). Beim Stillen kriege ich die tollsten Blicke von meinem kleinen Gnom. Für das Stillen habe ich immer alles dabei und im Zweifel kann ich es auch im Laufen, egal ob mein Spatz gerade in der Trage ist oder nicht.

Ich kenne mein Kind und weiß wann es an die Brust will

Unser kleiner Noob trinkt viel und oft, nubbelt aber auch oft nur rum. Wir haben keinen Schnuller, ich habe ja immer Brüste parat. „Muss Schnurpsel denn schon wieder trinken?“ höre ich oft. Ja, muss es. Und nein, wir müssen nicht auf das Schreien warten, ich kenne mein Kind und weiß wann es an die Brust will. Und du, lieber Besuch, bist vielleicht gerade der Grund dafür. Denn an meiner Brust betütscherst und bequasselst du das Baby nicht die ganze Zeit. Es kann sich ausruhen und erholen, nah bei seiner Mama sein.

„In dem Alter brauchen die doch nur noch alle vier Stunden etwas“.

„In dem Alter brauchen die doch nur noch alle vier Stunden etwas“. Nein, mein Kind braucht dann etwas, wenn es Hunger hat. Oder die Nähe will. Oder den Trost. Zum Beispiel weil das mit dem Hinsetzen nicht klappt, auch wenn man eigentlich gerade rausgefunden hat wo die Muskeln dazu sind. Oder weil das Bücherregal, was gerade noch so spannend war, auf einmal doch zu viele Reize bietet. Oder weil man müde ist und keine Ruhe findet.

Ich kann leider meinen Kopf nicht immer an einer geliebten Person vergraben, wenn ich das gern möchte. Meinem Baby kann ich dieses Angebot aber machen. Ich habe meinen Körper wie die meisten an drei „große“ Mahlzeiten pro Tag gewöhnt, statt an die viel gesünderen mehreren kleinen. Mein Baby darf ganz viele kleine Mahlzeiten haben. In der Tat kann Schnurpsel alles: vom 10 Minuten Power-Snack bis hin zum ausgedehnten 60-Minuten Schlemmermahl. Und all das ist in Ordnung und gesund, das kann ich an der Entwicklung und dem zufriedenen Lächeln meines Kindes sehen.

Verstehen, was es heißt, zur Klasse der Säugetiere zu gehören.

Was Brüste alles können habe ich erst in der Stillzeit gelernt. Zum Beispiel wurde im Hochsommer als die brütende Hitze uns alle gequält hat meine Milch viel dünnflüssiger, Schnurpsel hat häufiger getrunken. Abends trinkt Schnurpsel meist sehr lang und die Milch ist cremiger. Wieviele Vitamine in so ein paar Tropfen Flüssigkeit untergebracht werden können, ist Wahnsinn! Erst beim Stillen habe ich so wirklich verstanden, was es heißt, zur Klasse der Säugetiere zu gehören.

Ich bin mit einem sehr ausgeprägten Milchangebot gesegnet. Die Wachstumsschübe vor denen mich meine Hebamme gewarnt hatte (sie würden einige Familien dazu verführen, mit der Flasche zuzufüttern, binnen 48h längstens würden sich aber die Brüste darauf einstellen) sind in dieser Form ausgeblieben – natürlich waren die Wachstumsschübe da, das habe ich auch gemerkt, aber Schnurpsel musste nie auf seine Milch warten.

Leider gehört zu diesem Milchsegen auch ein heftiger Milchspendereflex. Meinen Brüsten ist egal, welches Baby vor Hunger schreit – sie wollen stillen. Sie wollen auch stillen wenn mein Baby von mir getragen wird und überhaupt nicht hungrig ist. Das führt zu Milchflecken auf dem Boden (und in Shirts), aber wozu hat man Katzen?

Wenn, dann richtig scheint das Motto meiner Brüste zu sein.

Es führte aber anfangs auch dazu, dass mein Kind sich regelmäßig verschluckt, immer wieder An- und Abdockte, häufig den Kiefer fest zusammengepresst hat um den Milchfluss zu regulieren. Langes Ansaugen bis Milch kommt ist bei mir nicht. Wenn, dann richtig scheint das Motto meiner Brüste zu sein.

Das betrifft auch alles „nicht-Baby-gesteuerte“ – hier heißt „wenn, dann richtig“ allerdings: nur echtes Baby bitte. Ausstreichen oder Abpumpen klappt so gar nicht. Glücklicherweise bin ich mit einem natürlichen Überlaufschutz ausgestattet und hatte nie einen Milchstau. Irgendwann läuft es einfach über.

Ab zu den tollen Beraterinnen der La Leche Liga!

Diese „Probleme“ über die sich andere Frauen vermutlich freuen würden, führten mich zu den tollen Beraterinnen der LLL (La Leche Liga). Und ich möchte sie jeder Mutter mit Stillproblemen und -sorgen sehr ans Herz legen, vor allem (aber nicht nur) wenn die eigene Hebamme auch nicht mehr so recht weiter weiß.

Dank ihnen sind mir auch wunde Brustwarzen erspart geblieben. Richtiges Anlegen ist nichts wofür man einen extra Abschluss braucht, aber es muss vernünftig erklärt werden. Dass es mehr als nur drei Stillpositionen (Wiege, Football & im Liegen werden Standard-mäßig gezeigt) gibt, lernte ich auch erst im Gespräch mit der Beraterin. Seither stille ich nicht nur viel entspannter, sondern auch mein Baby kann viel besser trinken – ganz ohne Verschlucken, an- & abdocken und in der Regel auch ohne Beißen.

Es sei denn natürlich, etwas ist spannend. Oder man will den Kopf drehen und weiter trinken. Schließlich gibt es soviel zu entdecken!

Links: La Leche Liga Deutschland

La Leche Liga Deutschland auf Facebook

 

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

2 Kommentare zu „Von Wundertüten und wunden Tüten“

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