Geschlechtsbestimmung? Nein, Danke!

Für mich war eines schon vor der Schwangerschaft klar: Nein, danke, ich möchte nicht wissen, was „es“ wird. Schnurpsels Papa wollte es erst gerne wissen, hat aber nach und nach verstanden warum ich so erpicht darauf war, das Genital unseres Kindes nicht in Erfahrung bringen zu lassen.

Alles was von uns oder von Verwandten und Freund*innen vor der Geburt besorgt wurde war weitestgehend „gezwungenermaßen geschlechtsneutral“. Bei der Babyausstattung heißt das vor allem, keine Kleidung mit Aufschriften wie „Little Princess“, „Daddy’s little girl“, „Cute Butterfly“ in Pink oder Pastell bzw. keine blau-grauen Kleidungsstücke mit Schriftzügen wie „Künftiger Fußballprofi“, „Rockstar“ oder „Bengel“. Versteht mich nicht falsch, wir besitzen Kleidung sowohl der einen als auch der anderen Art und ziehen unserem Kind auch beides an.

Sogar Lillifee würde sagen „Das ist zu sexistisch“.

Wird auf eBay nach Bekleidungspaketen für Babys gesucht, finden sich einige bei denen vermutlich sogar Lillifee sagen würde „Das ist zu sexistisch“. Da gibt es etwa Shirts mit angedeutetem Dekoltee, welches dank „Double Layer Optik“ gefüllt wird – in Größe 50. Größe 50 das ist die Größe in die viele Babys schon bei der Geburt nicht mehr rein passen. Warum sollte ein kleines Kind in ein solches, eindeutig sexualisiertes, Kleidungsstück gesteckt werden? Da sind noch keine Körpermerkmale die betont werden können.

Bei jedem Ultraschall mussten wir jedoch erneut betonen, dass wir „es“ nicht wissen wollen – die Ärzt*innen gehen einfach davon aus, dass die baldigen Eltern unbedingt wissen möchten ob es Gebamsel zwischen den Beinen oder (später) am Oberkörper geben wird. Und wieder und wieder sagten wir: Nein, Danke!

Wahlweise unter dem Hodensack oder zwischen den Labien Kotreste.

Der signifikanteste Unterschied zwischen einem neugeborenen Kind mit Penis und einem neugeborenen Kind mit Vulva ist wohl, dass die Scheiße an anderen Stellen hängen bleibt und wahlweise unter dem Hodensack oder zwischen den Labien Kotreste zu finden sind. Es gibt noch ein paar andere kleine Unterschiede, aber nichts was eine unterschiedliche Bekleidung rechtfertigt.

Aber schon in der Schwangerschaft werden von der Umwelt dem Baby unterschiedliche Attribute zugeschrieben, je nach dem ob geglaubt wird, dass es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Dein Baby strampelt sehr stark im Bauch? Muss ein Junge sein, er übt schon Fußball spielen. Dein Baby kommt nicht zum Geburtstermin auf die Welt sondern später? Eindeutig ein Mädchen, sie muss sich noch hübsch machen.

Mein Kind hätte eine lilagrün gestreifte Giraffe sein können, es wäre mir egal gewesen und ich hätte es geliebt. Natürlich ist das Genital ein (gesellschaftlich) relevantes Merkmal eines Kindes, oft ist es das einzige Merkmal von dem eins weiß, dass das Kind damit ausgestattet ist. Aber es sollte nicht darüber bestimmen was das Kind trägt, womit es spielt und wie wir es behandeln. Es sollte das Kind nicht limitieren.

Während der Schwangerschaft wurde ich häufiger gefragt, wie ich denn das Zimmer des Kindes einrichten könne ohne zu wissen „was es ist“. Die Antwort ist „naja, einfach kindgerecht mit Holz und bunt“. Pastelltöne, egal ob zartes blau oder sanftes rosa, sind sowieso scheiße für Babies – die können diese nämlich noch gar nicht wahrnehmen. Schöne kräftige Farben mit starken Kontrasten bieten einem Neugeborenen mehr Reize um sich gesund zu entwickeln.

Ich war überwältigt von diesem atmenden Wunder

Als Schnurpsel auf die Welt kam, kriegte ich nicht das klischeebehaftete „Es ist ein Junge/Mädchen.“ zu hören, sondern bekam es mir einfach auf den Bauch und ich war überglücklich, überwältigt von diesem atmenden Wunder auf mir. Ich verschwendete nicht einen Gedanken daran, wie dieses Wunder wohl zwischen den Beinen ausgestattet wäre, sondern bestaunte die großen schon leicht braunen Augen und diese unglaublich winzigen Finger. Erst als die Freundin, welche mich und Schnurpsels Papa durch die Geburt begleitet hatte zu mir sagte „Du hattest übrigens recht“ wusste ich, dass sich mein Bauchgefühl bezüglich des zugewiesenen Geschlechts meines Babys bestätigt hatte.

Soviel sei verraten: es war keine lilagrün gestreifte Giraffe.

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Autor: Zesyra

Writes about Community Management, Gender, Gaming, Cats, Babies and Stuff.

6 Kommentare zu „Geschlechtsbestimmung? Nein, Danke!“

  1. Ich hab noch was vergessen: eine Bekannte von mir hat einen Sohn mit langen blonden Haaren dessen Lieblingsfarbe lila ist. Inzwischen 6 Jahre alt. Die hat beim Klamotten kaufen immer Probleme. Also mit den Verkäuferinnen…..

  2. Kenn ich. In der Schwangerschaft finden die anderen das entweder gut oder meinen total bestürzt dass die das so nicht könnten.
    Beim zweiten Kind habe ich mir überlegt ob ich es wissen will damit wir mit der Großen über Bruder oder Schwester reden können. Aber dann blieb es doch einfach das Baby :-)
    Und auch beim zweiten wussten wir nach der Geburt nicht gleich was es ist (beim ersten redete die Hebamme erst von „er“ bis ich gefragt habe ob es ein Junge ist…. war dann aber doch ein Mädchen)
    Ich fand es übrigens echt schwer am Anfang neutrale Sachen zu finden!

  3. Ich hielt die kleine Lady, nachdem ich sie geboren hatte in Arm und hatte einfach keine Lust, nachzusehen. Und niemand kam im Geburtspool an mich und sie ran, hahaha! Naja, nach ein paar Momenten schaute ich doch und könnte sie dann im Wasser auf ihren weiblichen Namen taufen.

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